Berlin - Das Theater o.N. trauert um eins seiner Herzen. Der Puppenspieler, Puppenbauer, Erfinder, Ausstatter und Regisseur Günther Lindner ist am Dienstag im Alter von 73 Jahren gestorben. Das kleine 60-Plätze-Theater, das sich bis heute nicht aus der Kollwitzstraße verdrängen ließ, ging aus dem 1979 gegründeten Theater Zinnober hervor, dem lange Zeit einzigen Off-Theater der DDR.

Lindner gehörte fast von Anfang an zum Ensemble. Theatermacherinnen und Theatermacher, darunter Gabriele Hänel, Werner Hennrich, Dieter Kraft, Therese Herwig und Hans Krüger, fanden sich außerhalb der Institutionen zusammen, um für Erwachsene und Kinder zu spielen – poetisch, musikalisch, verspielt und also zwangsläufig auch gesellschaftskritisch. Die Behörden waren offenbar derart überrascht, dass sie so schnell gar nicht auf die Idee kamen, Zinnober, das es doch eigentlich gar nicht geben durfte, zu verbieten. Und es ist ein bisschen die Frage, ob es sich hätte verbieten lassen. Man spielte teilweise illegal hinter heruntergelassenen Rollläden. Ein kleines Wunder, das auch von den Spielräumen, Nischen und der guten Laune des untergegangenen Landes erzählt. Ein bisschen scheint es auch heute noch so zu sein, dass es das Theater vor allem deshalb gibt, weil die Leute sich von Unmöglichkeiten nicht abhalten lassen.

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