Berlin - Am Donnerstag feierte eine kleine Gemeinde die Übergabe von Fritz Marquardts Nachlass an die Akademie der Künste, es wäre der 93. Geburtstag des Regisseurs, Schauspielers, Philosophen, Autors und bildenden Künstlers gewesen. Mitten in der Ernte kam er als schlesischer Bauernsohn auf einem Hof mit 15 Hektar mittelmäßigen Bodens in Groß Friedrich bei Kriescht, heute Krzeszyce, auf die Welt. Alle waren auf dem Feld, die Männer schnitten das Korn mit der Sense, die Frauen banden es zu Garben, „immer im Galopp über de Stoppeln“. Die ersten Wehen setzten beim Frühstück auf dem Feld ein, die Mutter konnte sie verdrücken, aber nach der Vesper lag sie auf einer Garbe und zappelte „wie ein Fisch auf dem Sand“. Nachts sei „das Quarks“ dann „rausjeflutscht“, die Mutter verlor das Bewusstsein. 

Am nächsten Morgen wachte sie vom Babygeschrei auf, schleppte sich, weil wieder alle auf dem Feld waren und niemand ihr den Jungen reichen konnte, zum Korb, in dem das Kind lag und weinte, die Fäustchen in die Ohren und Augen gepresst, hungernd und verlassen. Gleich im ersten Winter, als es so kalt war, dass die Vögel tot vom Himmel fielen, saß sie am Sterbebett des Sohnes, der mit einer doppelseitigen Lungenentzündung niederlag. Der Arzt hatte Waschungen verordnet, damit das Herz nicht aufhöre zu schlagen. Und der Junge habe sie angeguckt, als würde er ihr sagen wollen: „Lass mich endlich in Ruhe sterben.“ Er starb nicht.

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