Berlin - Bei Peng hat es geknallt. Nicht allein wegen dieses Satzes lohnt es sich, auf einen eskalierten Konflikt bei dem 2013 gegründeten subversiven Performance- und Recherchekollektiv zu blicken, das mit fröhlichen Aktionen tiefernste Gesellschaftskritik betreibt. Ihr Mitbegründer, der Journalist Jean Peters, hat ein Buch darüber geschrieben. Wir zitieren: „Mich treibt dabei nicht nur eine vage Utopie einer sozialen und ökologischen Gesellschaft an, sondern auch die Negation der jetzigen. In dieser Ablehnung steckt die Haltung der Suche, der Leidenschaft und der Liebe zum Menschen.“ Moment mal, er schreibt über das Kollektiv in der ersten Person Singular? Das Kollektiv verübelt ihm solche Selbstdarstellung.

„Die letzten drei Kernmitglieder“ (Selbstbezeichnung) gaben am Montag ihren Ausstieg per Twitter bekannt und schreiben im Statement, dass man sich schon seit 2016 in einem „andauernden internen Konflikt“ befinde. „Von Beginn an gab es im Kollektiv toxisches Verhalten, Chauvinismus, Sexismus, Selbstinszenierung, fehlenden Raum für Kritik, Reflexion und Meinungsvielfalt“. Auch ein „jahrelanger, kostspieliger und mühsamer Mediationsprozess“ konnte letztlich nicht den Widerspruch zwischen der Verfasstheit des Kollektivs und seinem inhaltlichen Anspruch auflösen, das sich „Gleichberechtigung, Queerfeminismus sowie hierarchiefreie, konsensbasierte und solidarische Arbeit“ auf die Fahnen geschrieben und geschworen hatte: „keine echten Namen, keine festen Strukturen, keine Anführer:innen, keine Selbstvermarktung, kein neoliberales Erfolgsstreben“.

Bekannt wurde das Kollektiv unter anderem für Tortenwürfe auf AfD-Politiker, die Aktion „Klingelstreich beim Kapitalismus“ und viele weitere Hack- und Fake-Aktionen – gegen Shell, Google, Vattenfall, die Bundeswehr und immer wieder Angela Merkel.

Aber wir wollen nicht zu früh aufgeben und das Scheitern eines utopischen Projekts bedauern, das nun ohne die Drei fortgesetzt werden soll, sondern uns an der auch nach innen gerichteten Angriffslust erfreuen und noch ein bisschen hoffen, dass das Ganze vielleicht eine Falle ist, um bürgerliche Kommentatoren zu entlarven. Titel des Peng-Buches von Jean Peters: „Wenn die Hoffnung stirbt, geht es trotzdem weiter“.