Christoph Willibald Glucks „Orfeo ed Euridice“ ist fast ein Monodram. Zu Beginn ist Eurydike schon tot, ein Chor singt ein Klagelied, und Orpheus geht durch diesen Chor hindurch und übertönt ihn mit seinen „Euridice“-Rufen, als ob er sie immer noch suchen würde unter den Sängern. In dieser Weigerung, den Tod der Geliebten zu akzeptieren, ist der Mythos zeitlos, und der ganze Prozess des Mythos mit dem Gang in die Unterwelt, der verordneten Blindheit bei der Rückführung Eurydikes und dem zweiten Verlust beim Blick zurück, scheint schon zeitgenössische Theorien zu den Phasen der Trauer vorwegzunehmen – demnach wäre Orpheus’ Blick zurück die Akzeptanz des Verlusts. Gluck hat, anders als Monteverdi, das gesamte Personal praktisch abgeräumt.

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