Berlin - In diesen Tagen bietet sich die letzte Gelegenheit, noch einmal in das Theater Karlshorst zu kommen, in die „Russenoper“, wie man das Theater für die sowjetischen Militärangehörigen auch nannte. Es wurde 1948/49 erbaut als Teil der Reparationsleistungen, die die DDR der Sowjetunion erbringen musste, während in den Westen Marshallplan-Geld hineingepumpt wurde. Die Eröffnung fand am 31. Juli 1949 mit einer Aufführung des Stückes „Jegor Bulytschow und die Anderen“ von Maxim Gorki statt. 18 Jahre lang lag es in einer Sperrzone, erst von 1963 an war das Theater auch Deutschen zugänglich. Als die russischen Streitkräfte abzogen, kam das Haus in den Besitz der Wohnungsbaugesellschaft Lichtenberg. Inzwischen gehört es der Howoge, einer der sechs Berliner kommunalen Wohnungsbaugesellschaften. Ein dauerhafter Theaterbetrieb konnte aufgrund des schlechten baulichen Zustands schon seit Jahren nicht mehr stattfinden. Nur temporäre Nutzung gab es, so wie jetzt.

Das denkmalgeschützte Haus steht vor dem Umbau durch die Stiftung Stadtkultur der Hogowe. Im nächsten Jahr sollen die Arbeiten beginnen und bis 2025 andauern. Aus der einstigen Großbühne des Theaters mit 530 Plätzen in Parkett und Rang entsteht ein Kulturort für Theater, Kino, Konzerte, Ausstellungen oder Lesungen, aber auch Workshops und Konferenzen.

Der Bühnenturm wird derzeit bespielt. Etwa vom Kollektiv Cashmere Radio aus Lichtenberg, das von sechs Stationen eine Deep-Listening-Session sendet, bei der Folk auf ASMR trifft, Geräusche also, die entspannen sollen. Zuzuhören ist im Liegen. Beim Konzert des Ensemble Reflektor wird Bach mit Techno kombiniert, tags darauf spielen die Muckemacher Musik für Kinder, die auch Erwachsenen gefallen soll. Auf das, was im Theater jenseits der Bühne geschieht, bezieht sich die Produktion „Die besondere Perücke“ von Antonia Baehr und Lucile Desamory. Es geht um den Auf- und Abbau, ausrangierte Bühnenbilder oder die Arbeit der Gewerke wie Kostüm- und Maskenbild.

Da der Spielbetrieb in Karlshorst 2007 eingestellt wurde, basiert ihre Recherche u. a. auf einer VHS-Kassette mit der Aufzeichnung einer Probe des Regisseurs Robert Wilson Mitte der 1990er-Jahre. Antonia Baehr filmte damals vom Rang und befragt ihre eigene Erinnerung. Am 25. November ist Premiere.