Berlin - Dieser Richterin würde man sein Wertvollstes anvertrauen: Sie ist klar im Wort, unbestechlich im Blick und ohne Wenn und Aber den Gesetzen verpflichtet. Corinna Harfouch residiert quasi über der Verhandlung, die hier über die Leinwand rollt, zumal der fiktive Fall des Afghanen Farid Nogol, der darin gegen seine Abschiebung klagt, im Grunde ein Fall wie tausend andere ist. Der Film „geRecht“ aber ist eben nicht wie tausend andere, sondern zerlegt sich selbst auf sechs durchsichtige Projektionsvorhänge, die den Saal des kleinen tak (Theaters Aufbau Kreuzberg) in drei begehbare Leinwand-Innenräume aufsplittern, also auch in verschiedene Perspektiven. Harfouchs stählerner Blick selbst verzweigt sich so langsam und endet als gebrochener.

Ursprünglich war die Idee dieses installativen Films den Abstandsgeboten des langen kulturellen Coronawinters geschuldet. Wo keine Nähe beim Spielen erlaubt ist, mag sich Regisseurin Lydia Ziemke gesagt haben, müssen die Bilder eben selbst miteinander ins Spiel kommen. Und tatsächlich irritiert die Ausstülpung der Leinwand in den Raum auf produktive Weise, zumal die Bilder an sich nur statisch bleiben.

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