Oberammergau - Oberammergau rüstet sich für die Passionsspiele. In einem halben Jahr, am 14. Mai 2022, soll Premiere sein – zwei Jahre später als geplant. Im März 2020 hatte Spielleiter Christian Stückl die berühmte Passion, die nur alle zehn Jahre stattfindet, wegen der Corona-Pandemie auf 2022 verschoben.

Die Passion geht auf ein fast 400 Jahre altes Gelübde zurück. Im Jahr 1633 versprachen die Oberammergauer, alle zehn Jahre die Passion aufzuführen, wenn niemand mehr an der Pest sterbe – was der Legende nach eintrat.

Auf den Straßen des oberbayerischen Ortes ist zu sehen, dass es auf die Passion zugeht. Wallende Haare und Bärte prägen das Bild. Alle Mitspieler – bis auf Römer und Engel – müssen die Haare wachsen lassen. So will es die Tradition. Seit Aschermittwoch gilt der Haar- und Barterlass: Hände weg von Schere und Rasiermesser. Bei den Bärten gab es dieses Mal coronabedingt Kulanz: Die FFP2-Maske sollte auch bei den Herren gut sitzen, Bartwuchs blieb somit zunächst freiwillig.

Derzeit werden die im Frühjahr 2020 säuberlich verstauten Requisiten und Bühnenbilder wieder ausgepackt: das Goldene Kalb, die Löwen für die Darstellung des Daniel in der Löwengrube, zahlreiche Einzelteile. „Alles wird gesichtet: Ist alles okay?“, erläutert die Sprecherin. „Jedes einzelne Kostüm muss noch einmal in die Hand genommen werden, es gibt für jeden einzelnen Mitspieler Anproben.“

Stückl inszeniert die Passion zum vierten Mal. Der Ehrenbürger Oberammergaus, der auch Intendant des Münchner Volkstheaters ist, hat das Laienspiel vom Leben, Sterben und der Auferstehung Jesu in vieler Hinsicht erneuert. Insbesondere befreite er es von antisemitischen Zügen. Verheiratete Frauen dürfen heute die Maria spielen, bis 1990 ein Tabu. Gleich in Stückls erster Passion bekam ein Protestant eine Hauptrolle. Auch zuletzt setzte er mit seiner Besetzung ein Zeichen: Erstmals haben zwei Oberammergauer muslimischen Glaubens Hauptrollen.

42 Spieler verkörpern die 21 Hauptrollen, die doppelt besetzt sind. Fast alle haben ihre Rollen behalten, die Stückl bereits 2018 vergeben hatte. Obwohl sie schon geprobt hatten, werden sie nun wieder kräftig pauken müssen. „Ich glaube, ich habe auch 90 Prozent der schon gelernten Texte nicht mehr parat“, sagte Jesus-Darsteller Frederik Mayet schon im Januar. „Wir werden probentechnisch gesehen nicht da anfangen, wo wir aufgehört haben, sondern wieder von vorn beginnen“, meinte damals auch der zweite Jesus Rochus Rückel.

Mit auf der Bühne: Pferde, Ziegen, Schafe und Tauben. Extra nach Oberammergau geholt werden zwei Kamele und der Esel Sancho. Er hat die tierische Hauptrolle: Der katalanische Riesenesel soll Jesus beim Einzug in Jerusalem tragen. Proteste von Tierschützern, die fanden, Jesus solle zeitgemäß auf dem E-Roller einziehen, verliefen im Sande.