Klaus Lederer hat sich als Leiter der Kulturverwaltung vom ersten Tag seiner ersten Amtszeit an als Krisenmanager beweisen müssen. Und dann kam der Bleideckel der Pandemie oben drauf. Er agierte konzentriert, schnell und machtbewusst, auch bei unlösbaren Problemen, die verlässlich das, was er gestaltete und in Gang setzte, überschatteten.

Immerhin konnte die von dem Virus ausgelöste existenzielle Krise vieler Kulturschaffender und vieler Institutionen finanziell abgefedert werden. Nicht aber die dabei zum Vorschein kommende, tiefere Krise des Kulturschaffens selbst. Im Wechsel von Zwangspausen, implodierenden Spielplänen und Umorganisationsstress trat ein fettes Relevanzproblem vor Augen. Gerade in den schlechten Zeiten bekam man, wenn die zwischendurch abgeschalteten Häuser wieder öffneten, Theater aus dem Vorratsschrank zu sehen.   

Was kommt nach der Schadensbegrenzung?

Wenn jetzt hoffentlich die Zeit der Rettung und Schadensbegrenzung vorbeigeht, die Scherben sichtbar werden, möge man, wo man kann, den Druck vom Kessel nehmen. Die im zwischendurch heruntergefahrenen und um seinen eigentlichen Sinn betrogenen Kulturbetrieb aufgebrochenen Konflikte, die sich in Machtmissbrauchs- und Diskriminierungsvorwürfen zeigen, müssen weiter bearbeitet werden.

Dazu muss die Kulturpolitik an Machtstrukturen gehen, die der Pandemie bisher standgehalten haben. Die Politik darf mit ihrem Handeln die künstlerische Freiheit nicht einschränken, sondern muss die Bedingungen schaffen, dass diese sich entfalten kann. Und dafür ist es dringend nötig, auf die herrschende Führungs-, Betriebs-, Beschwerde-, Gesprächs- oder Fehlerkultur Einfluss zu nehmen.  Auf dass die Künstlerinnen und Künstler im Schutz der Kulturpolitik zur Besinnung kommen können und ihre Freiheit und ihren Flow wiederfinden. Erst dann kann sich die Stadt neu in ihre Kultur verlieben.