Jutta Hoffmann war lange nicht zu sehen. Nicht im Theater, nicht im Fernsehen und erst recht nicht im Kino. Es heißt, sie sei schwierig. Sie mache zu viel Einwände, sei unduldsam, fordere Mitsprache über das Maß hinaus. Ihre Haltung wird als Störung begriffen, weniger als Chance, den Status quo produktiv infrage zu stellen. Doch für einen Medienapparat, der selten Wagnisse eingeht und stattdessen die Wiederholung des ewig Gleichen favorisiert, steht Jutta Hoffmann tatsächlich nicht zur Verfügung.

„Die Hoffmann“, so hat Regisseur Egon Günther einmal gesagt, „ist insofern schwierig, als sie diesen ausgeprägten Willen hat, wahr zu sein. Sie geniert sich vor allem, was nicht echt ist.“ Das hat nichts mit Naturalismus zu tun. Gerade in den Filmen von Egon Günther war zu beobachten, wie sich ihr Stil herausbildete, dieses flirrende Wechselspiel zwischen Identifikation mit der Rolle und Opposition. Der Kritiker Günter Sobe, Filmrezensent der Berliner Zeitung, beschrieb das so: „Sie scheint während des Spielens noch in Auseinandersetzung mit der von ihr gespielten Figur. Sie versucht, Verhaltensweisen auszuloten. Sie bietet Möglichkeiten an, steht einen Moment hinter ihrer Rolle und tritt im nächsten aus ihr heraus. Sie verfremdet und identifiziert sich wieder.“ Und das alles mit einem Schalk im Nacken.

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