Paris - Die seit Wochen andauernde Besetzung des Pariser Theaters Odéon geht trotz der Wiedereröffnung nach Corona weiter. Die Bedingungen, das Schauspielhaus wieder in Betrieb zu nehmen, seien weder für das Publikum noch für die Künstler gegeben, teilte der Intendant Stéphane Braunschweig mit. Mehrere Dutzend Kulturschaffende und Studenten halten das Pariser Theater in der Nähe des Parks Jardin du Luxembourg seit 4. März besetzt – zunächst vor allem aus Protest gegen die coronabedingte monatelange Schließung der Kulturstätten.

Jetzt fordern sie verstärkt finanzielle Hilfe. Man verstehe ihre Forderungen, doch sei es schwer verständlich, dass sie nach mehr als sechsmonatiger Schließung die Wiederaufnahme der Vorführungen verhinderten, erklärte der Intendant weiter. Auch sein Vorschlag, ihrer Forderung mit einer Besetzung des Hauses tagsüber Ausdruck zu verleihen, sei abgelehnt worden. In Frankreich dürfen seit diesem Mittwoch Kultureinrichtungen wieder Besucher empfangen.

Von der Protestbewegung waren damals landesweit mehrere große Schauspielhäuser betroffen. Derzeit ist auch die Wiedereröffnung des Theaters La Criée in Marseille und der Oper in Lyon wegen Besetzungen unklar. Frankreichs Kulturministerin Roselyne Bachelot hatte am Dienstag ein neues Hilfspaket von rund 150 Millionen Euro angekündigt, mit denen den Kinos und den darstellenden Künsten in der Phase der Wiedereröffnung geholfen werden soll.