Fast ein Jahrhundert alt – allein, erblindend, sterbend – lernt der Bäckerenkel, Zeitungsmensch und die unangefochtene Theaterinstanz Günther Rühle sich selbst kennen und legt in einem „merkwürdigen Tagebuch“ Zeugnis von diesem Ringen ab. Auch diese letzte und vielleicht höchste seiner Aufgaben geht der Mann wie alles in seinem Leben mit heller Tapferkeit und ohne Scheu vor Mühen an, diesmal auch ohne Scheu vor Erinnerungen und Emotionen: „Manchmal wird man doch erschüttert von dem Jammer, der in einem wohnt. Das Alleinsein erdrückt, man ist überschüttet von den Erinnerungen, die ausgebrochen sind aus dem inneren Gefängnis, in das ich sie gesteckt und verborgen habe, vor lauter Arbeitswut. Man hielt sich fest und aufrecht mit der täglichen Schufterei und mit der, die man sich zusätzlich auflud. Ich hielt heute nicht mehr stand, vorhin hüpften plötzlich meine Schultern, es kam eine jähe Pression von innen. Es begann mit dem Weinen, das sich bis in die Augen drückte. Ich weinte trockene Tränen, als verdorrte ich.“

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