Berlin - Ein reichliches Jahr sind die Theater nun geschlossen, mit kurzen Unterbrechungen. Dennoch erlebte man am vergangenen Wochenende ein Festival, dessen bereichernde Kraft und Lebendigkeit staunen ließ. Bei aller technischen Holprigkeit und medienversierten Überforderung, die die Panels, Workshops und sechs Gastspiele den Webtechnikern und Zuschauern abverlangten, machte es geradezu glücklich. Da war so viel Kopf und Blick öffnende Vielschichtigkeit in den Spielen mit sozialen Alltagsmedien, dass man bei aller Grundskepsis gegenüber der Netzkrake keine Angst um das Theater haben muss.

Das Internetportal Nachtkritik hatte drei Tage zur Bestandsaufnahme des Netztheaters geladen, um die flirrenden Fragen des digitalen Kunstproduzierens zu diskutieren. Es ging um seine rechtlichen Lücken, seine wirtschaftlich und politisch prekären Abhängigkeiten von Megakonzernen und auch die ästhetischen Ambivalenzen, seine Schnelligkeit, Intimität und Oberfläche, mit der es Wahrnehmen und Handeln verändert. Die Zerrissenheit war dabei das schlüssige Zentrum der Beiträge und Gastspiele. Denn die Verheißung der Weite, das Zusammenspiel entferntester Räume, Akteure und Zuschauer, kann die tatsächliche Einsamkeit vor dem Display, das Versinken in algorithmische Blasen nicht wegklicken.

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