Berlin - Der größte Unterschied zwischen dem „Idomeneo“ Wolfgang Amadeus Mozarts und dem rund 60 Jahre früher entstandenen „Idomenée“ von André Campra besteht in der Rolle der Götter. Bei Mozart leistet Idomeneo ein Gelübde in den Meeressturm hinein, im Fall seiner Errettung den ersten Menschen zu opfern, der ihm an Land begegnet, und das ist dann leider der eigene Sohn Idamante. So weit kommt es dann nicht, weil die Stimme Neptuns kurz vor dem Opfer eingreift, wie der Engel des Herrn zwischen Abraham und Isaak. Bei Campra ist es umgekehrt: Die Götter sind die ganze Zeit mit von der Partie, Aeolus, Venus, Neptun, die personifizierte Eifersucht. Am Ende jedoch tritt niemand dazwischen, das Opfer wird vollzogen. Danach passiert in dieser Oper nicht mehr viel: Idomenée will sterben, aber sein Weiterleben ist die größere Strafe, das Stück endet erschreckend lapidar in einer Tonart, die Mozart nie angefasst hätte, in finsterstem b-Moll.

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