Zum Tod des Schauspielers und Theaterleiters Manuel Soubeyrand

Manuel Soubeyrands Lebensweg führte ihn vom Berliner Ensemble in den tiefen Westen und zurück nach Senftenberg, wo er nun im Alter von 65 Jahren starb.

Manuel Soubeyrand (1957–2022)
Manuel Soubeyrand (1957–2022)dpa/Patrick Pleul

Es war keine ganz so folgenreiche Entscheidung wie die seiner Eltern knapp sechs Jahrzehnte zuvor, aber dennoch hat Manuel Soubeyrand gründlich abgewogen, ob er 2014 mit seiner Familie in den Osten geht, um die vermutlich letzte Stelle seiner Karriere anzutreten und Intendant der Neuen Bühne Senftenberg zu werden. Er leitete das Theater bis zum Ende der letzten Spielzeit und zum Eintritt ins Rentenalter. Am zweiten Weihnachtsfeiertag, ein knappes halbes Jahr später, ist er im Alter von 65 Jahren gestorben. Das bestätigte die Pressestelle der Neuen Bühne der Berliner Zeitung.

2014 hatte sich Soubeyrand parallel für das Theater in Pforzheim beworben. Das wären von Esslingen, seinem damaligen Intendantenposten 60 Kilometer Richtung Westen gewesen. Zehn Jahre lebte er in Esslingen mit seiner Schweizer Frau und wurde Vater von drei Töchtern. Als die Senftenberger Kulturpolitiker von der schwäbisch-beschaulichen Alternative hörten, unterschrieben sie doch recht schnell den Vertrag, und Soubeyrand zog mit seiner Familie 600 Kilometer nordöstlich in die Lausitzer Bergarbeiterstadt mit der Bühne, die eine wichtige Rolle in der DDR-Theatertradition spielte. Für Soubeyrand war es eine Heimkehr, für seine Familie, die er mitnahm, ein Abschied von der Heimat.

Soubeyrand ist ein in Köln gebürtiges DDR-Theatergewächs, seine Eltern Jean und Brigitte Soubeyrand waren erfolgreiche Pantomime-Künstler, die bei einer Tournee mit Bertolt Brecht in Kontakt kamen und ans Berliner Ensemble eingeladen wurden. In Ost-Berlin wiederum kam Brigitte Soubeyrand mit dem Studenten Wolf Biermann in Kontakt, mit dem sie ein Kind bekam und das Berliner Arbeitertheater gründete. Das Theater in der Belforter Straße wurde zur Studiobühne der Staatlichen Schauspielschule, an der Brigitte Soubeyrand als Professorin dozierte.

Manuel Soubeyrand hatte also schon als Kind viel Theaterluft geatmet. Er entschied sich dennoch oder gerade deswegen zwischendurch lieber für eine Ausbildung zum Melker. Dann nahm er aber doch den vorgezeichneten Weg und trat das Schauspielstudium an der Ernst Busch an. Als Absolvent wurde 1982 direkt Mitglied des Berliner Ensembles und blieb über zehn Jahre und also über die Wende hinweg am Schiffbauerdamm engagiert. Seit 1993 arbeitete er als freier Regisseur und Schauspieldozent, bevor er 2000 seine erste Leitungsfunktion antrat und Schauspieldirektor in Chemnitz wurde. 2004 führte ihn der Weg wie oben erwähnt nach Westen.

Die quasifamiliäre Zugehörigkeit zu den Granden des DDR-Theaters verdarb den Bühnenmenschen nicht für die vergleichsweise niederen und provinziellen Gefilde, wo er mit seiner Kraft und guten Laune bis zuletzt keine Mühen scheute, um die Politik und das Publikum für diese alte, unterschätzte Kommunikationsform zu gewinnen. Er musste mit ansehen, wie diese Bemühungen von der Corona-Pandemie noch einmal immens erschwert wurden. Der Abschied falle ihm dadurch ein wenig leichter, sagte er am Ende seiner Amtszeit.