Berlin - Am Ende sitzt Martin Wuttke mit zerzausten Haaren, schmuddeligem Hemd, nasser Hose und einem so zermürbten Gesicht vor dem Publikum, als trüge er die Qual der ganzen Menschheit unter dem verkaterten Schädel. Diese Menschheitsqual aber ist Platonow nur selbst, der Dorfschullehrer und gescheiterte Aristokrat, der in allem immer nur den großen Menschen sucht, doch tatsächlich nirgends einen solchen zulässt. Platonow sitzt also auf dem Stuhl an der Rampe mit dem Gesicht zum Publikum, was nun, nach fast fünf Spielstunden wirkt, als hätte er erstmals überhaupt den Vorhang aufgezogen, da er bis dahin dort nur in Rückenansicht saß, und bekennt: die Menschen sind ihm doch das Allerliebste. Niemanden habe er je beleidigen wollen, dennoch immer alle beleidigt. Nicht einmal das aber sei ihm ja wirklich gelungen, sondern immer nur: „irgendwie russisch“.

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