Der Monbijou-Park mit Bodemuseum im Hintergrund.
Foto: Robert Rauh

BerlinGeblieben ist nur der Name. Er hat überlebt, obwohl der Ort seit sechs Jahrzehnten verschwunden ist. Durchquert man das Areal zwischen Bode-Museum und Oranienburger Straße, begegnet einem die Bezeichnung „Monbijou“ – übersetzt so viel wie „Mein Schmuckstück“ – gleich mehrfach: Monbijouplatz, Monbijoupark, Monbijoustraße, Monbijou Theater, Monbijoubrücke und das Kinderbad Monbijou. 

Dass hier ein Schloss stand, wissen nur wenige. Das Gebäude wurde im November 1943 bei einem Luftangriff schwer beschädigt und 1958/59 abgerissen. Anschließend ließ die SED-Führung auf dem Gelände eine „Grünanlage“ mit Schwimmbad errichten, die wiederum Wende und Wiedervereinigung überdauert hat. Schloss Monbijou, Anfang des 18. Jahrhunderts von Eosander von Göthe im Stil des Spätbarock errichtet, wurde vielfach genutzt: Erst diente es als Residenz für zwei preußische Königinnen, dann als Location für die kulturelle Elite der Hauptstadt. So berichtet Goethes Sohn August, dass am 24. Mai 1819 in Monbijou „2 Scenen aus dem Faust mit der Compostion des Fürsten Radziwil gegeben“ wurden – eine der ersten „Faust“-Aufführungen überhaupt.

Theodor Fontane gemalt von Carl Breitbach.
Foto: www.be-pictured.de/Bettina Passmann-Möbis

Später wurde Monbijou als Depot für die Königliche Kunstkammer genutzt, am Ende wurde es ein Museum. Am 22. März 1877 weihte Kaiser Wilhelm I. anlässlich seines 80. Geburtstages in 42 Räumen des Schlosses das Hohenzollern-Museum ein. Zu den ausgestellten Exponaten gehörten die Fahne des Königreichs Preußen von 1701 und das berühmte Gemälde vom Tabakskollegium des Soldatenkönigs. Einer der ersten Ausstellungsbesucher war Fontane. In einem Notizbuch vermerkte er auf 28 Seiten einzelne Exponate mit kurzen Kommentaren.

Notizen Fontanes kulturgeschichtlich von großem Wert

Die Notizen, die vor Ort entstanden und jetzt erst entziffert und identifiziert wurden, sind kulturgeschichtlich von großem Wert, weil das erste Sammlungsinventar des Hohenzollern-Museums verschollen ist. Im „Luisenzimmer“ zählte Fontane 22 Porträts, [e]inige sehr hübsch“, unter „Friedrichs Sachen aus der Campagne-Zeit“ entdeckte er eine „Schachtel mit Gift (wie Hannibal)“, und in dem Raum für „Fr. W. II.“ besichtigte er einen „[w]undervoll angelegte[n] Schrank“, der auch heute noch als das kostbarste Werk des Kunsttischlers David Roentgen aus Neuwied gilt.

Ob Fontanes Notizen über das Hohenzollern-Museum in eine veröffentlichte Ausstellungskritik mündeten, ist bisher nicht bekannt. Dass Fontane dies beabsichtigte, ist sehr wahrscheinlich. Denn das Thema lag ihm am Herzen. Und nicht nur das. Knapp zehn Jahre zuvor hatte er sich sogar als Museumsdirektor ins Spiel gebracht. Aber der Reihe nach: Bereits am 5. Mai 1868 war im Schloss Monbijou eine Ausstellung mit Erinnerungsstücken der Hohenzollern eingerichtet worden. Unmittelbar nach der Eröffnung war auch Fontane im Schloss, um die Ausstellung am 10. Mai für die „Kreuzzeitung“ zu rezensieren. Schon drei Tage früher schrieb er seiner langjährigen Vertrauten Mathilde von Rohr ein vernichtendes Urteil: Die Ausstellung sei „nahezu ein Skandal“, „[v]on historischem, künstlerischem und überhaupt ästhetischem Standpunkt aus gesehn (…) ein bloßer Raritäten-Laden, zum Teil ein bloßes Jahrmarkts-Chaos“.

Das Chaos herrsche landesweit. Denn Fontane wusste von seinen märkischen Wanderungen, „dass die wertvollsten und interessantesten Dinge sich wie Gerümpel herumtreiben, in alten Schlössern zum Teil auf Böden und Korridoren mißachtet und verzettelt unter Staub und Spinnweb verkommen“. Fontane beklagte, Preußen fehle „ein national-historisches Museum“, wie es die meisten europäischen Hauptstädte und selbst kleinere deutsche Residenzen besitzen. Dann unterbreitete er einen Museumsplan, den das gnädigste Fräulein „passenden Orts zur Sprache“ bringen sollte und für dessen Umsetzung er sich gleich selbst anbot. „[H]ab ich doch hier das Gefühl: das könnt ich.“

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende

Der Plan könne ihm „auf einem Ruck eine lohnende, ehrenvolle, auskömmliche und meinen Gaben entsprechende Stellung schaffen“. Mit seinem Konzept, wonach „sich Saal an Saal reihen müßte, von denen jeder einer Epoche oder einem Regierungsabschnitt“ entsprechen würde, nahm Fontane die Struktur des Hohenzollern-Museums vorweg. Fontane ist bekanntlich nicht Museumsdirektor geworden. Mathilde von Rohr sah sich außerstande, Plan und Bewerbung zu lancieren. Und Fontane räumte schon einen Tag später ein, er hätte sich keinen „großen Hoffnungen hingegeben“. Zunächst käme „ein Geheim-Sekretär oder ein Konrektor“ infrage „und dann ein Schriftsteller noch lange nicht“. Gründungsdirektor wurde 1877 Robert Dohme – ein preußischer Hofbeamter.

Die Bestände des Hohenzollern-Museum wurden am Ende des Zweiten Weltkriegs auseinandergerissen. Ein Teil wurde vernichtet oder von den Sowjets geraubt, der Rest auf verschiedene Museen aufgeteilt. Die kulturhistorisch bedeutsame Sammlung geriet wie Schloss Monbijou in Vergessenheit. Erst die aktuell bekannt gewordenen Ansprüche der Hohenzollern katapultierte sie zurück in das öffentliche Bewusstsein. Denn während die Enteignung der Hohenzollern-Immobilien durch das Bundesverfassungsgericht in den 1990er-Jahren bestätigt wurde, gilt sie für die Kunstobjekte nicht. Die Geschichte von Monbijou ist noch nicht zu Ende.

Gabriele Radecke

ist Literaturwissenschaftlerin sowie Herausgeberin der Großen Brandenburger Fontane-Ausgabe und der Fontane-Notizbücher. Zugang zum kostenlosen Notizbuch-Portal: https://fontane-nb.dariah.eu/index.html

Robert Rauh 

ist Historiker sowie Autor diverser Fontanebücher und der Website „Neue Wanderungen“. http://fontanes-wanderungen.de/

Gemeinsam sind Gabriele Radecke und Robert Rauh Herausgeber von Theodor Fontanes „Wundersame Frauen. Weibliche Lebensbilder in den ,Wanderungen durch die Mark Brandenburg’“, erschienen im Manesse-Verlag.