Berlin - Qualitätsjournalismus zeichne sich durch Sachkenntnis, einen Ethos der Wahrhaftigkeit sowie die Trennung von Meinung und Bericht aus, sagte Gauck am Mittwochabend in Berlin. Somit sei er auch ein Gegengewicht zum „Meinungs-Tsunami“ im Internet, „wo jeder posten und pesten kann, wie er will“.

Das Internet ermögliche aber gleichzeitig einen herrschaftsfreien Diskurs, betonte Gauck. Gerade in nicht-demokratischen Staaten sei dies wichtig: „Ich hätte mir gewünscht, wir hätten das 1989 auch schon gehabt.“

Gauck sagte, die Presselandschaft in Deutschland sei noch immer von einer „eindrücklichen Vielfalt“. Dies gelte auch für den Lokaljournalismus. Er beobachte aber auch bedrohliche Tendenzen, sagte Gauck mit Blick auf Einsparungen in den Verlagshäusern. Ein radikaler Sparkurs könne aber nicht die einzige Antwort auf die Krise sein. Die Leser erwarteten gut recherchierte Geschichten, in denen Hintergründe und Zusammenhänge erklärt würden. „Dieser Anspruch kostet etwas.“ Qualitätsjournalismus habe seinen Preis.

Er kritisierte auch die Arbeitsbedingungen in der Branche. Gerade freie Journalisten müssten ihre Arbeit häufig „für einen äußerst beschämenden Lohn leisten“

Fünf Preisträger

Der vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) ausgelobte Preis gilt als die renommierteste Auszeichnung der Zeitungsbranche. Die diesjährigen Preisträger sind Harald Martenstein, Alexander Gorkow, Volker Zastrow, Lars Fischer und Philip Cassier.
Namensgeber des Preises ist der langjährige Chefredakteur des „Berliner Tageblatts“, Theodor Wolff (1868-1943), der 1933 vor den Nazis ins französische Exil fliehen musste. Dort wurde er verhaftet und an die Gestapo ausgeliefert. Er starb 1943 im Jüdischen Krankenhaus in Berlin.

Der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, sieht den Journalismus durch das Internet nicht bedroht. Professioneller Journalismus werde auch in Zukunft nicht überflüssig, sagte er bei der Verleihung des Theodor-Wolff-Preises. Von Nutzern erzeugte Inhalte seien eine wertvolle Ergänzung, aber kein Ersatz. Auch für Verlage biete das Internet „großartige Möglichkeiten“. Die Leser seien bereit, für exklusive Inhalte zu bezahlen.

Döpfner rief dazu auf, nicht zu viel „selbstkritische und fatalistische Stimmung“ zu verbreiten. Er sei sich zwar nicht sicher, was die Zukunft der gedruckten Zeitung betreffe. „Ich bin mir aber sicher, dass der Zeitungsjournalismus eine hervorragende Zukunft hat“, betonte der Verlagschef. Das Medium spiele dabei nicht die entscheidende Rolle.(dpa/dapd)