Christian Thielemann über Barenboim: „Künstlerisch sind wir einig“

Der Dirigent Christian Thielemann probt in der Berliner Staatsoper Wagners Ring. Er vertritt Daniel Barenboim und erzählt, dass er ihm viel verdankt. 

Christian Thielemann.
Christian Thielemann.Foto: dpa

Christian Thielemann und Daniel Barenboim verbindet offenbar eine enge künstlerische Freundschaft. Thielemann sagte auf einem Gespräch mit Journalisten am Donnerstag in Berlin: „Ich habe all die Jahre immer einen regen Austausch mit Daniel Barenboim gehabt. Er hat mich immer gefragt: Wann kommst Du und dirigierst meine Kapelle?“

Thielemann probt derzeit Richard Wagners Ring an der Staatsoper Berlin. Er hat das Dirigat der Neuproduktion von Barenboim übernommen, der aus gesundheitlichen Gründen absagen musste. Thielemann sagte: „Ich bin täglich mit Barenboim im Austausch. Wir sprechen über fachliche und menschliche Dinge.“ Thielemann: „Ich habe ihm gesagt, Du brauchst Dich nicht aufzuregen. Wir haben alles im Griff. Darauf hat er gesagt: Das ist die beste Medizin für mich.“

Thielemann: „Ohne Barenboim wäre ich nicht in Bayreuth gelandet“

Thielemann über seine und Barenboims Wagner-Auffassung: „Künstlerisch sind wir einig.“ Thielemann baut auf den Vorarbeiten des Staatsopern-Teams unter Thomas Guggeis und Regisseur Dmitri Tcherniakov auf: „Ich habe nichts verändert. Ich bin spät dazu gekommen, daher habe ich kein Recht, etwas zu verändern.“ Es wird auch keine Cancel-Eingriffe geben, wie sie mitunter bei Wagner diskutiert werden. „Es wird der Originaltext geboten, und wir werden auch alle Noten spielen, sofern wir gut drauf sind“, sagt der Dirigent.

Thielemann sagt, dass Barenboim eine entscheidende Rolle in seiner Karriere gespielt habe: „Wir kennen uns seit 42 Jahren. Ich habe bei ihm den Tristan als Korrepetitor gemacht, an der Deutschen Oper. Ohne Barenboim wäre ich nicht in Bayreuth gelandet.“ Trotzdem ist es ab dem 2. Oktober das erste Mal, das Thielemann an der legendären Staatsoper Unter den Linden auftritt. Eine frühere Zusammenarbeit habe sich nicht „ergeben, weil wir in unserem Beruf viel unterwegs sind“.

Thielemann: „Es ist ein präzise-dunkel spielendes Orchester“

Mit der Staatskapelle hat Thielemann erst einmal konzertant zusammengearbeitet – als Einspringer im Sommer: „Ich habe das Orchester das erste Mal dirigiert, als ich für Blomstedt eingesprungen bin. Sie haben mich gefragt und ich habe gesagt, das mache ich.“ Thielemann zum ersten Konzert: „Wir haben Bruckners Siebente gespielt. Es ging so fantastisch gut. Wenn wir uns nicht so gut verstanden hätten, hätte ich den Ring jetzt nicht gemacht.“ Thielemann fühlt sich sichtlich wohl mit dem Orchester: „Das Orchester liegt musikalisch sehr auf meiner Linie. Es ist ein präzise-dunkel spielendes Orchester, mit einem berührenden Pianissimo.“

Thielemann schildert Barenboims Anruf, der ihn an die Staatsoper brachte: „Es war eine anonyme Nummer. Eigentlich ruft mich nur meine Mutter unter einer anonymen Nummer an. Aber die saß gerade neben mir, also konnte sie es nicht gewesen sein. Ich habe abgehoben und es war Daniel. Es war an einem Sonntag um halb elf. Daniel hat mich angerufen und gesagt: Bitte!“