Es ist das Video, über das die Welt spricht, twittert, diskutiert. "This Is America" ist ein Geniestreich von Donald Glover, Musiker, US-Schauspieler, Comedian. In der "Saturday Night Show" im US-Fernsehen hatte der Song Premiere - aber Talk ist das Video. Es ist eine knapp vier Minuten lange, bitterböse Zusammenfassung des Alltagsrassismus in den „Vereinigten“ Staaten von Amerika. Das müssen Sie dazu wissen:

1. Wer ist Childish Gambino?

Ein Künstlername. Childish Gambino ist der „rappende Teil“ des US-amerikanischen Schauspielers Donald Glover. Für das Lied Redbone aus dem Album „Awaken, My Love!“ (2016) erhielt Glover einen Grammy. „This is America“ könnte der Vorbote eines neuen Albums sein.“Awaken, My Love“ war sein viertes nach Camp (2011), Because the Internet (2013), Kauai (2014).  Als Schauspieler ist er zuletzt vielbeachtet gewesen in der Hauptrolle der TV-Serie „Atlanta“. Er kommt aber aus der Comedy, schrieb anfangs für Shows wie The Daily Show oder 30 Rock.

2. Wer ist der Regisseur von „This is America“?

Der Japaner Hiro Murai, der schon bei „Atlanta“ in Teilen Regie führte, ist bekannt für Musikvideos. Er hat schon häufiger Songs von Childish Gambino inszeniert: Zuletzt "Sober" (2015), "Telegraph Ave" (2014) und "Sweatpants" (2014). 

3. Was ist so verstörend an dem Musikvideo?

Der ständige Wechsel zwischen Party und Kriminalität, zwischen Tanzen und Morden. In der Eingangsszene schneidet Glover Grimassen – um im nächsten Moment eine Knarre auszupacken und einem sitzenden, maskierten Mann eine Kugel durch den Kopf zu jagen. Ein Helfer kommt – und lässt die Tatwaffe verschwinden. Es sind die vielen Anspielungen in den 4:04 Minuten, ein Parforceritt durch die Geschichte des alltäglichen Rassismus in der weiß dominierten amerikanischen Gesellschaft. Gespielt einzig in einer Lagerhalle. Und das fängt eben in der Eingangsszene an – mit einer Reminiszenz an Jim Crow, die dann abdrückt.

4. Warum die Jim-Crow-Performance von Donald Glover bzw. Childish Gambino?

Jim Crow („Jim, die Krähe“) ist ein Ausdruck aus dem 19. Jahrhundert und bezeichnet das Stereotyp eines tanzenden, singenden, minder-bemittelten Schwarzen. Deshalb rollt Donald Glover mit den Augen und macht ungelenkige Posen. Die Weißen im Zeitalter der Rassentrennung machten die Schwarzen so nach – heute würde man das Blackfacing nennen. Der (weiße) Komiker Thomas D. Rice machte mit der Nummer „Jump Jim Crow“ das „Blackface“ populär. Im „This Is America“ tanzt Jim Crow – um dann einen Menschen abzuknallen. Das Mordopfer trägt übrigens einen Sack über dem Kopf, wie bei den Lynch-Exzessen gegen die Sklaven.

5. Gibt es weitere Anspielungen auf Alltagsrassismus in den USA?

Ja. Zuhauf. Es geht mit einem Massaker weiter. Gleiches Muster: Glover durchschreitet eine Tür, tänzelnd im Jim-Crow-Stil, nimmt ein Maschinengewehr und mordet einen Gospelchor, der gerade „Get your money, black man, get your money“ singt. Die Szene wird als Anspielung auf das Kirchenmassaker in Charleston interpretiert. Der 21-jährige Dylann Roof erschoss 2015 neun Schwarze während einer Bibelstunde in der Kirche.

Oder: Wenn Glover tanzt, jagt die Polizei im Hintergrund Menschen. Oder die Schlussszene: Die Szenerie mit leerstehenden Autos. Im Netz wird das als Anspielung auf die Rassen-Ausschreitungen in den 80er- und 90er Jahren interpretiert. Vor allem auf das Frühjahr 1992 in Los Angeles. Nach der brutalen Misshandlung des Schwarzen Rodney King wurden vier Polizisten freigesprochen. Das Gerichtsurteil löste folgenschwere Unruhen mit mehr als 50 Todesopfern aus. Tagelang wurden die Bilder einer brennenden Stadt im TV live übertragen. Die alleinstehenden, ausgebrannten Autos in den Straßenschluchten von L.A. wurden zur Szenerie – wie sie im Musikvideo „This Is America“ jetzt abgebildet werden.

6. Wer ist eigentlich die Frau, die in der Schlussszene zwischen den Autos sitzt? 

Die Sängerin SZA hat in dem Video einen Cameo-Auftritt. Die beiden könnten musikalisch gerade zusammen arbeiten.

7. Wie erfolgreich ist das Musikvideo „This Is America“ jetzt schon?

US-Rapper Kanye West hat das Video sofort nach Veröffentlichung gepostet, nachdem es am Wochenende in der US-Comedy-Show „Saturday Night Live“ Premiere hatte. Nach drei Tagen hat das offizielle Video schon 47 Millionen Aufrufe. Die Single war sofort Nummer eins der amerikanischen iTunes-Charts.

8. Und was sagt Donald Glover selbst zu seinem Video "This Is America"?

Am Rande der Met Gala 2018 vor ein paar Tagen im Metropolitain Museum of Art sagte er: "Ich wollte einfach einen guten Song machen." Und fügte hinzu: "Ein Song, den man am 4. Juli gut hören kann." Es ist der Unabhängigkeitstag in den USA. (tok)