Thomas Gottschalk
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BerlinSein Wortwitz ging in „Wetten, dass …?“, dem Dauerbrenner der deutschen TV-Unterhaltung, mitunter an dessen Zielgruppe vorbei. „Ich habe deinen Bruder noch gekannt“, rief Thomas Gottschalk der Sängerin Pink zu, die, noch ganz am Anfang ihrer Karriere, wie viele andere Popstars bei Gottschalk auftrat, aber nicht auf dem XXL-Sofa Platz nehmen musste.

Wo da der Witz sein soll? Nach einer Pause löste Gottschalk auf: „Punk“. Das war gut beobachtet, denn ehe Pink als Wuchtbrumme des Pop auch sanftere Klänge anschlug, erinnerte sie stark an jene Musikgattung mit vier Buchstaben, die angesagt war, als Pink gerade geboren wurde.

Als Moderator war Thomas Gottschalk eher der Typ vor allem für Zuschauerinnen, die danach trachteten, mit seinen flotten, nicht immer feinsinnigen Sprüchen jung bleiben zu wollen. Im Grunde aber fühlte er sich als Rock ’n’ Roller, den ein gut gesetztes Riff in Stimmungen versetzte, die er im Fernsehen niemals hätte ausleben dürfen. Sein Erfolgsgeheimnis   besteht denn wohl auch darin, das Bedürfnis eines großen Publikums sublimiert zu haben, auch einmal über die Stränge schlagen zu dürfen. „Wetten, dass...?“ hielt sich nicht an Sendezeiten, und noch deutlicher äußerte sich dieses Gefühl in Gottschalks dandyhaftem Kleidungsstil, den er   sich ausdrücklich verkniff, als zweite Haut seiner Emotionen zu präsentieren. Vielmehr bewegte er sich in seinen Klamotten immer wie einer, der die Garderobe hinterher wieder abgeben muss.

Gottschalks juvenile Arglosigkeit hat vermutlich einiges mit seiner Herkunftsgeschichte zu tun. 1950 in Bamberg geboren, stammt er aus einer aus Oberschlesien vertriebenen Familie, die schließlich im oberfränkischen Kulmbach heimisch wurde. Er war Ministrant in der örtlichen Stadtpfarrkirche, was auch als Ausdruck eines Bedürfnisses nach Zugehörigkeit zu verstehen war.

Zu seiner beruflichen Legende gehört seine Zeit beim Bayerischen Rundfunk, wo er die „B3-Radioshow“ moderierte, in der nach zwei Stunden jeweils Günther Jauch übernahm. Anfang der 80er-Jahre wechselte Gottschalk zu Radio Luxemburg, und durch den Kontakt mit Frank Elstner war dort frühzeitig der Keim dafür gesetzt, einmal als idealer Showmaster von dessen verblüffend einfacher Spielidee einer Wettshow zu reüssieren.

In seinem Buch „Herbstbunt“ verschweigt Thomas Gottschalk trotz flapsiger Tonlage nicht, dass auch einem wie ihm, der Montag 70 wird, das Altern schwerfällt.