Das ist kein Roman – das ist der Hammer. Thomas Melle berichtet in seinem soeben erschienenen Buch über seine manisch-depressive Krankheit. Die Geschichte seiner bipolaren Störung – ein euphemistischer, und wie er sagt, viel zu harmloser Begriff für das Desaster, das diese Krankheit anrichtet – ist schonungslos ehrlich und brutal. Zugleich ist sie „irre“ komisch. „Existenzieller Slapstick“ nennt es Melle. Und da ihn seine manischen Phasen durch die Berliner Clubs, Kneipen und Konzerthallen treiben, gelingt ihm nebenbei ein Stimmungsbild der überhitzten Popkulturszene.

„Die Welt im Rücken“ ist Melles Versuch, die mörderische Krankheit zu bannen. Das Schreiben ist ihm der Schutzanzug, mit der er das kontaminierte Terrain seiner Leidensgeschichte betritt. Dass daraus grandiose Literatur geworden ist, liegt daran, wie er das Was in Sprache fasst. Die Form wird dem Inhalt auf nahezu kongeniale Weise gerecht. Melles irrlichternde Präzision der Beschreibung entspricht der hypergeschärften Wahrnehmung der Manie, die bei ihm zusätzlich mit einer paranoiden Psychose einher geht. Er betrachtet dieses Ich, das er ist und doch nicht ist, dessen wahnwitziges Verhalten ihm im Nachhinein zutiefst fremd und beschämend erscheint, wie eine „Figur aus einer TV-Serie“.

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