In einer Zeit, in der der Kulturbetrieb ins Stocken geraten ist und Künstler, Kulturmanager und Veranstalter vollauf damit befasst sind, eine existenzielle Krise von Kinos, Theatern, Galerien und Einrichtungen aller Art abzuwenden, verheißt die Nachricht aus dem Pressebüro der Berliner Festspiele ein Stück unverhoffter Kontinuität. Die Bundesregierung verlängert den Vertrag des Festspielintendanten Thomas Oberender um weitere fünf Jahre bis zum Dezember 2026. Kulturstaatsministerin Monika Grütters, Vorsitzende des Aufsichtsrats der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH, sagte anlässlich der Vertragsunterzeichnung, Oberender seien aufrüttelnde Kulturereignisse zu verdanken, die gewohnte Perspektiven sprengen. Mit der Kraft des künstlerisch Unerwarteten mache er immer wieder Dinge sichtbar und erlebbar, die so zuvor noch nicht gehört wurden. Gerade in diesen Zeiten setze die Bundesregierung mit der Vertragsverlängerung ganz bewusst ein Signal der Wertschätzung für Kunst und Theater als kritisches Korrektiv unserer Gesellschaft.

Thomas Oberender ist ein streitbarer Intellektueller, der gesellschaftspolitische Debatten auch jenseits der Aufgaben seiner Intendanz sucht und anstößt. Unlängst veröffentlichte er das Buch „Empowerment Ost“, in dem er das Ende eines kulturellen Gefälles zwischen Ost und West forderte. Mit Blick auf die gerade auch für Kultureinrichtungen verheerende Corona-Krise mochte Oberender nicht in der Rolle des bloß Lamentierenden verharren. Tatsächlich habe die Zwangspause, so Oberender, auch viele neue Impulse gegeben.

Als Intendant der Berliner Festspiele war Oberender, der zuvor u. a. Schauspieldirektor der Salzburger Festspiele und Co-Direktor des Schauspielhauses Zürich war, intensiv darum bemüht, die künstlerischen Möglichkeiten des Theaters zu erweitern. Unter dem Begriff der Immersion hat Oberender den Blick für vielfältige performative Ausdrucksformen geöffnet. Mit dem Dau-Projekt des russischen Filmregisseurs Ilja Khrzhanowsky, für das in Berlin-Mitte eine geschlossene Kunststadt errichtet werden sollte, stieß Oberender allerdings auf beharrliche kulturpolitische Grenzen.

Zum kulturellen Großtanker Berliner Festspiele gehören u. a. die Berliner Filmfestspiele, der Martin-Gropius-Bau, das Haus-der Kulturen der Welt, das Jazz-Fest, das Theatertreffen, die MaerzMusik und viele andere.