Berlin - Thomas Oberender gibt sein Amt als Intendant der Berliner Festspiele auf. Das teilten die Berliner Festspiele am Mittwochabend mit. Er habe Staatsministerin Monika Grütters mitgeteilt, dass er nach Auslaufen seines derzeitigen Vertrages zum 31. Dezember 2021 seine Tätigkeit nicht fortsetzen möchte und um dessen  Auflösung gebeten. Der Vertrag war erst  im November 2020 unter allgemeinem Beifall um fünf Jahre verlängert worden, bis 2026. Die  Nachricht von seinem Weggang kommt also überraschend. 

Oberender ist seit 2012 Intendant der Berliner Festspiele. Unter seiner Verantwortung wurden Ausstellungen im Martin-Gropius-Bau realisiert, der ebenso zu den Berliner Festspielen gehört wie das Haus der Kulturen der Welt, das Jazz-Fest, das Theatertreffen, die MaerzMusik und viele andere. Oberender konzipierte seit 2016 auch das Programm für das Festival Immersion. Mit dem Dau-Projekt des russischen Filmregisseurs Ilja Khrzhanowsky, für das in Berlin-Mitte eine geschlossene Kunststadt errichtet werden sollte, stieß Oberender allerdings an kulturpolitische Grenzen.

Der 1966 in Jena geborene Thomas Oberender ist ein streitbarer Intellektueller, der immer wieder auch gesellschaftspolitische Debatten anstößt. Vergangenes Jahr  veröffentlichte er das Buch „Empowerment Ost“, in dem er das Ende eines kulturellen Gefälles zwischen Ost und West forderte. Mit Blick auf die gerade auch für Kultureinrichtungen verheerende Corona-Krise mochte Oberender nicht die Rolle des Lamentierenden einnehmen. Tatsächlich habe die Zwangspause, so Oberender, auch viele neue Impulse gegeben. Möglicherweise nun auch diesen, nämlich die Entscheidung, seinen Posten nun doch aufzugeben.

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