Zum Geburtstag wünscht sich Paul von Georg dessen Freundin Anna. Eine Äußerung fast im Scherz, so wie sie unter Jugendlichen eben manchmal getan wird, aus Jux, Übermut, Dollerei. Doch Georg sagt so etwas wie: „Kein Problem, ich wollte sowieso mit ihr Schluss machen, sie ist mir langweilig, du kannst sie haben. Such mir aber zuvor noch eine andere als Ersatz aus.“

Es ist ein schöner Sommertag; viele junge Leute haben sich an einem Badesee versammelt, und Paul deutet aufs Geratewohl auf ein Mädchen, das wiederum mit einem anderen Jungen beisammen sitzt. Das ist Yvonne. Und der andere Junge heißt Daniel.

So beginnt Denis Dercourts nach eigenem Drehbuch entstandener, souverän gewagter Genrefilm „Zum Geburtstag“. Außerdem ist noch ein gefälschter Brief im Spiel. Und in der DDR verbotene Punk-Musik. Als es die DDR dann längst nicht mehr gibt, viele Jahre später, sind Paul und Anna immer noch ein Paar. Sie sind verheiratet, erfolgreich, haben zwei Kinder, ein Haus auf dem Land und, wahrscheinlich, jeweils ein außereheliches Verhältnis.

Ihre Beziehung begann mit einer Lüge, aber mit Lügen kann man sich arrangieren. Vermeintlich. Denn damit, dass eines Tages Georg wieder auftauchen würde, hatte keiner gerechnet. Und mit siedend heißem Schrecken fällt Paul nun jene Bedingung ein, die Georg seinerzeit gestellt hatte: Paul müsse Anna zurückgeben, wenn Georg sie je zurückfordern würde. Was Jugendliche eben so reden, wenn der Tag lang ist. Plötzlich werden allerorten offene Rechnungen präsentiert, brechen alte Wunden wieder auf, wird ein für alle Mal aufgeräumt mit dem falschen im richtigen Leben. Ruhe jedenfalls kehrt so schnell nicht wieder ein.

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Es sind der kunstvolle Regiestil und die geglückte Besetzung, die „Zum Geburtstag“ zu einem spannungsreichen Vergnügen machen, allen Unwahrscheinlichkeiten der Plotkonstruktion und Unglaubwürdigkeiten des Handlungsverlaufs zum Trotz. Mark Waschke, Marie Bäumer, Sylvester Groth, Sophie Rois und Johannes Zeiler agieren mit jenem engagierten und unbedingten Ernst, der ihre Figuren aufrichtig erscheinen lässt – auch wenn die gerade etwas vermeintlich Abstruses tun.

So sind sie nicht ganz Charakter, doch auch nicht reine Maske. Sie abstrahieren im richtigen Maß und deuten im rechten Moment an. Dieser darstellerischen Strategie der Gleichzeitigkeit des Widersprüchlichen folgt die visuelle Gestaltung. Matteo Coccos Kamera wählt distanzierende Perspektiven und gemächliche Bewegungen.

Dercourt inszeniert reduktionistisch und kühl auf den Effekt der Uneigentlichkeit hin. Das Ergebnis ist ein Film, der selbstreflexiv und spielerisch zugleich mit mehreren Genres jongliert. je nach Perspektive schillern in „Zum Geburtstag“ Psychothriller, Film Noir, Krimi, Kammerspiel und Drama auf.

Und manchmal auch das kolportagehafte B-Picture. Oder der reine paranoide Wahnsinn. Doch die Regie bietet dem Zuschauer keine Flucht in die Ironie und keine oberschlaue Meta-Ebene. Am Ende steht die so schlichte wie bittere Erkenntnis: Rache ist süß! Und ein Gericht, das am besten kalt serviert wird.

Zum Geburtstag: Dtl. 2013. Regie, Drehbuch: Denis Dercourt, Kamera: Matteo Cocco, Darsteller: Mark Waschke, Marie Bäumer, Sylvester Groth u..a.; 86 Minuten, Farbe. FSK ab 12.

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