Die Band Fleetwood Mac.
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Es ist frühmorgens in Idaho Falls. Der 37-jährige Nathan Apodaca fährt auf seinem Skateboard am Rande einer Autobahn entlang. Es ist schon hell, doch die Morgenröte ist noch zu erkennen. Einige Autofahrer sind bereits unterwegs, aber Apodaca bleibt entspannt. Gemütlich fährt er voran, in der einen Hand hält er einen Saft, in der anderen sein Handy. Den 70er-Jahre-Pop-Song „Dreams“ von Fleetwood Mac hat er dabei im Ohr. Die Sängerin Stevie Nicks singt darin vom Träumen, der Einsamkeit und natürlich der Liebe. Bei der zweiten Strophe kann dann Apodaca nicht anders, als lautstark mitzusingen. Dabei richtet er sein Handy auf sich und nimmt einen kurzen Clip für die App TikTok auf. Was dann passiert, klingt wie ein Märchen, zeigt aber ganz gut, wie das Musikgeschäft heutzutage funktioniert:

Der TikTok-Clip von Apodaca wird millionenfach geliked und tausendfach auf der Plattform nachgeahmt. Überwiegend junge Menschen trinken einen Saft und hören „Dreams“. Das wirkt so lässig und lebensfroh, dass es wirklich ansteckend ist. Selbst Nicks und Mick Fleetwood haben mittlerweile Videos auf der Plattform hochgeladen und trinken ebenfalls zu ihrem eigenen Song Saft, während sie lautstark „Dreams“ mitgrölen. Und das ist natürlich nicht alles.

Apodaca wurde bereits zu mehreren Nachrichtensendungen eingeladen, erhielt einen Dankesbrief von der Band und bekam sogar von der Firma seines im Video getrunkenen Saftes ein Auto geschenkt. Damit solle der aus einer armen Familie Stammende nun den Highway entlang fahren und natürlich „Dreams“ hören – der neue Song der TikTok-Generation, das Lied, das mittlerweile wieder in den US-Charts zu finden ist. Spätestens jetzt wird klar: Wer derzeit trenden will, muss die Nutzer der digitalen Videoplattform TikTok überzeugen. Nicht zuletzt wurde so Jason Derulos „Savage Love“ zum Sommerhit, Musiker wie Benee oder Gus Dapperton bekannt und „Dreams“ von einer jungen Generation plötzlich wiederentdeckt.