Schauspieler, Regisseur, Produzent, Unternehmer: Til Schweiger.
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Berlin„Gott, du kannst ein Arsch sein!“ heißt der neue Film mit Til Schweiger (Kinostart: 1. Oktober). Darin spielt der 56-Jährige, der selbst vier Kinder hat, einen Vater, dessen 15-jährige Tochter nur noch kurze Zeit zu leben hat. Wir trafen den Schauspieler zum Gespräch über Familie, Glauben, die Corona-Zeit und über die Frage, wie es ihm damit geht, bald Großvater zu werden.

Herr Schweiger, glauben Sie an Gott?

Ich persönlich glaube eher nicht an Gott.

Weil Gott in Ihren Augen zu häufig ein Arsch war?

Nein, wenn ich nicht an Gott glaube, dann kann ich ihn auch nicht für ein Arschloch halten. Ich glaube einfach nicht daran. Ich habe meinem Religionslehrer im Unterricht damals schon die Frage gestellt, warum Gott Leid zulässt. Seine Antwort war, dass Gott die Menschen erschaffen hat – und jetzt müssen sie selbst sehen, wie sie klar kommen. Diese Antwort fand ich schon als Kind unbefriedigend.

Jetzt sind Sie im Kino als Seelsorger zu sehen, dessen 15-jährige Tochter unheilbar krank ist. Brauchten Sie Mut oder Überwindung, um sich diesem fiktiven Kummer zu stellen?

Nein, überwinden musste ich mich nicht. Sobald mir der Part angeboten wurde, habe ich zugesagt, denn es ist eine schöne Rolle in einem schönen Drehbuch. Und der Film ist nun auch toll geworden. Ich bin sehr froh, dass ich da mitgemacht habe.

Dennoch wird ein sterbendes Kind ein quälendes Thema für einen vierfachen Vater sein. Haben Sie sich den Gedanken verboten: „Was wäre, wenn mein Kind…?“

Die Frage habe ich mir schon oft gestellt, weil es in meinem Bekanntenkreis schon zu diesem Schlimmsten aller Schicksalsschläge gekommen ist und das Kind vor den Eltern starb. Da kommt einem automatisch der Gedanke, wie man selbst mit so einer Tragödie umgehen würde: Ich weiß, dass mein Herz und meine Welt zerbrechen würden. Wenn ich aber solch eine Rolle übernehme, denke ich nicht an meine eigenen Kinder, sondern nutze meine Fantasie, um zu überlegen, wie meine Figur wohl reagieren würde. Die Frage „Was wäre, wenn…?“ kann man dann aus der Perspektive seiner Rolle beantworten.

Der Trailer zum Film.

Video: YouTube

Was hat das Vaterdasein Ihnen geschenkt? 

Ich kann in jedem Fall sagen, dass das prägendste Ereignis meines Lebens die Geburt meines ersten Kindes war. Und dann kam das zweite, dritte und vierte Kind – und es war jedes Mal wieder genau so intensiv. Ich wurde nicht etwa mit jedem Mal routinierter, sondern habe mir jedes Mal größere Sorgen gemacht, ob das Kind auch gesund ist. Aber zum Glück ist nie was passiert. Mit vier Kindern hat man viermal so viel Liebe in sich, aber auch viermal so viel Angst.

Bleibt die Angst, wenn wie bei Ihnen die Kinder aus dem Gröbsten raus sind? Ihre Jüngste, Emma, wird demnächst 18.

Ja klar! Alle Eltern dieser Welt leben mit dieser Angst – natürlich nicht durchgehend, sonst wird man plemplem. Aber die Grundangst hat man, so lange man Vater ist. Vor den Kids war ich noch ein anderer Mensch, ich war viel leichtsinniger. Allein, wie viel schneller ich damals Auto gefahren bin als jetzt ... nur um ein Beispiel zu nennen.

Fiel es einem hyperaktiven Menschen wie Ihnen schwer, im Lockdown zur Ruhe zu kommen?

Ja, das war total schwierig. Ich umgebe mich gern mit Menschen, die mich inspirieren. Das war in der Zeit absolut ausgeschlossen. Einige meiner Freunde konnten die Zeit genießen, die fanden das super, vor allem die Lehrer unter ihnen. Die konnten endlich mal in ihren Gärten aufräumen. Ich hab’ zwar auch einen Garten, aber lieber wäre ich draußen gewesen und hätte Filme gemacht.

Mussten Sie ein Filmprojekt wegen der Pandemie verschieben?

Wir mussten sogar abbrechen. Wir wollten im April „Kurt“ drehen, eine Romanverfilmung von Sarah Kuttner. Wir waren voll in der Vorbereitung und hatten schon sehr viel Geld in das Projekt gesteckt, als der Lockdown uns zum Abbruch zwang. Jetzt hoffen wir, dass wir zumindest nächstes Frühjahr drehen können.

Zur Person

Til Schweiger, 56, eigentlich Tilman Valentin Schweiger, kommt aus Freiburg im Breisgau und wuchs mit seinen Brüdern im Mittelhessischen auf. Ein Lehramts- und ein Medizinstudium brach er ab und begann 1986 eine Schauspielausbildung in Köln.

Anfang der 90er-Jahre hatte er eine Rolle in der „Lindenstraße“, der Durchbruch als Schauspieler kam mit den Komödien „Manta, Manta“ und „Der bewegte Mann“. Schweiger schaffte auch den Sprung in internationale Filmproduktionen wie „Inglourious Basterds“, außerdem ist er als Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Filmeditor erfolgreich.

Was halten Sie von den Corona-Protesten wie der Demo vor dem Reichstag Ende August?

Generell finde ich es toll, wenn man von seinem Grundrecht zu demonstrieren Gebrauch macht. Was mir nicht gefällt, ist, dass die Menschen, die demonstrieren, diskreditiert werden. Dass sie einfach als Nazis oder Aluhüte bezeichnet werden. Ich selbst war nicht in Berlin, aber viele Bekannte vor Ort haben mir berichtet, dass sie in den sieben Stunden keinen einzigen Nazi gesehen haben. Es gab wohl welche, aber sie haben keine gesehen. Die absolute Mehrheit der Demonstranten waren Familien, Omas, Opas, Kinder. Wenn die kollektiv Corona-Leugner oder Covidioten genannt werden, finde ich das schon sehr, sehr, sehr bedenklich.

Wie reagieren Sie, wenn Corona-Leugner sich ohne Maske in Menschenmengen begeben und aus ihrer Überzeugung heraus die gesundheitliche Gefährdung anderer in Kauf nehmen?

Ich weiß nicht, ob die das bewusst in Kauf nehmen. Gut, die haben keine Maske getragen – hätte ich wahrscheinlich schon. Aber als die „Black Lives Matter“-Demonstrationen stattgefunden haben, hat auch keiner einen Mundschutz getragen – und da war es okay. Diese Demonstranten sind gefeiert worden. Wenn aber andere Leute für ihre Grundrechte eintreten oder gewisse Maßnahmen in Frage stellen, werden sie diffamiert. Da misst man schon mit zweierlei Maß.

Würde Sie, nach Ihren gelegentlichen Ausflügen in Polit-Debatten, ein offizielles politisches Amt reizen?

Ganz klares Nein! Ich glaube, dass Politik ein ganz schmutziges Geschäft ist. Sobald ein Politiker besonders populär wird, wird er von der eigenen Partei in die Pfanne gehauen, wie der Guttenberg beispielsweise. Wenn die eigene Partei dich fertig macht, haut der Gegner dich auch noch mal in die Pfanne. Das muss ich mir wirklich nicht antun.

Sie haben einige Jahre in den USA gelebt, waren mit einer Amerikanerin verheiratet. Haben Sie Angst vor dem Ausgang der nächsten US-Präsidentschaftswahl?

Ich mag Trump nicht, ich finde ihn als Menschen verabscheuungswürdig. Aber eins halte ich ihm zugute: Er war so ehrlich und hat offen gesagt: „America First“. Amerika war immer „first“, egal unter welchem Präsidenten. Immerhin gab es mit Trump im Amt keinen Krieg. Aber ist er ein guter Präsident für das Land? Ich glaube nicht. Er sorgt dafür, dass die Konflikte sich verschärfen. Er ist offensichtlich ein Rassist. Er nimmt Polizisten in Schutz, die wehrlose Menschen hinrichten und spielt das herunter. Aber wird unser Leben besser, wenn Joe Biden mit seinen 77 Jahren Präsident wird? I don’t think so.

Was ist Ihr größter Wunsch?

(Grinst) Noch mehr Enkelkinder zu kriegen.

Das erste soll schon unterwegs sein, bei Ihrem Ältesten, Valentin?

Und ich freue mich schon auf die nächsten.

Das Gespräch führte Mariam Schaghaghi.