Man nannte ihn schon den „Narziss mit goldenem Mundstück“, den „David Beckham des Jazz“ oder den „deutschen Chet Baker“. Meine Güte! Sicher ist aber: Der Jazz-Trompeter Till Brönner ist nicht nur viel beschäftigt, er kann auch was. Und beim Interview in der Bibliothek des The George Hotels in Hamburg macht der 45-Jährige in der Tat eine gute Figur. Er trägt ein lässig aufgeknöpftes, hellblaues Jeanshemd, dazu schwarze Jeans. Er ist charmant und eloquent, als er von seiner neuen Wahl-Heimat Los Angeles, seinem Treffen mit Barack Obama, seinem intimen neuen Album und seinen Plänen für eine Jazz-Akademie in Berlin erzählt.

Herr Brönner, wie viele Trompeten haben Sie?

Wenn ich alle zusammenzähle, sind es so um die 20. Ich habe eine Zeit lang gesammelt. Bis heute schlägt mein Herz für alte Schmuckstückchen. Wenn es sich lohnt, in eins verliebt zu sein, dann in Klang. Niemand auf der Welt wird dir jemals zuhören, wenn es nicht gut klingt. Du kannst einen Ton spielen, und wenn der gut klingt, hast du zehnmal mehr Erfolg mit dem einen Ton als jemand, der das Blaue vom Himmel spielt, aber klingt wie eine Gießkanne.

Gibt es Tage, an denen an der Trompete nichts gelingen will?

Aber natürlich. Es gibt ein schönes Zitat von Dizzy Gillespie, der mir damit aus der Seele gesprochen hat: „An manchen Tagen stehst du auf und legst den Bläser an die Lippen, und es klingt ziemlich gut, und du gewinnst. Manchmal versuchst du es, und nichts klappt, und der Bläser gewinnt. Das geht weiter und weiter, und dann stirbst du, und der Bläser gewinnt.“ Es wird also am Ende sowieso gegen dich ausgehen.

Sie haben Ihre Hände, Ihre Lippen und Ihren Mundraum versichern lassen, heißt es.

Meine Lippen und meine Zähne natürlich. Das haben sehr viele. Das ist gar nicht so besonders. Eigentlich bin ich unbezahlbar! Ich habe wie viele Künstler natürlich eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Doch am Ende wird die Summe nie über die Berufsunfähigkeit hinwegtrösten können. Wir Musiker leben für das, was wir machen. Daran kann Geld nichts ändern.

Waren Sie schon immer so stilsicher, was die Auswahl Ihrer Garderobe betrifft?

Ich habe das nicht mit der Muttermilch bekommen. Aber mein Sinn dafür hat sich zu der Zeit entwickelt, als ich anfing, mich für das Instrument zu interessieren. Dieser weiße Smoking, den die Trompeter früher in den Big Bands trugen, hat mich mindestens so sehr in den Bann gezogen wie die Trompete und der Klang. Und hätte man mir den Smoking zuerst in die Hand gedrückt, wäre es auch okay gewesen. Daraus ist am Ende so etwas wie ein Grundverständnis für das erwachsen, was man machen kann und sollte, und was eher nicht. Mein Traum ist, mal mit drei Anzügen, zehn weißen Hemden und drei Paar Schuhen mein Leben zu bestreiten. Das geht nur nicht, weil ich so viel reise. Ich muss mein Jeansprogramm genauso absolvieren können wie mein Anzugprogramm. Aber früher war das einzige Kleidungsstück, das man besitzen musste, um auf die Bühne zu gehen, ein Anzug der Firma Brooks Brothers. Die gibt es immer noch.

Von welcher Zeit sprechen Sie?

Von den Vierzigern und Fünfzigern. Das war im Prinzip die Uniform: ein Nadelstreifenanzug, der ein bisschen mafiamäßig aussah. Und du hast darin geschlafen, bist darin gereist, auf die Bühne gegangen. Der war so robust, damit konntest du sogar ein Auto abschleppen, und du sahst immer gut aus. Das hat Miles Davis in seiner Biografie schön beschrieben. Und die Fotografien aus jener Zeit sind so wunderbar, weil die Mittel limitiert waren. Daraus ist ein ganzer Stil entstanden – eben auch ein Kleidungsstil. Man konnte das gar nicht trennen.

Die Jazz-Fotografien aus den Fünfzigern und Sechzigern sollen auch Ihren Stil als Fotograf beeinflusst haben.

Ich habe irgendwann herausgefunden, wie entscheidend die Zusammenarbeit von Chet Baker und dem Jazz-Fotografen William Claxton, zu dem ich ein sehr gutes Verhältnis hatte, war. Fotografie, die eng an Künstlern dran ist, hat den Künstlern auch immer etwas gebracht – für die Reputation, das Image, aber auch geschäftlich.

Was ist ein gutes Foto für Sie?

Eines, dessen Grund ich erkenne. Der Grund eines hübschen Gesichts ist selten erkennbar, obwohl es manchmal auch Spaß macht, es anzugucken. Aber für mein Empfinden liegt es oft auch im Bereich der Überflüssigkeit.

Wie eitel sind Sie?

Ich werde eitler, je älter ich werde. Das meine ich zwar ein bisschen kokett. Aber man wird eben gewahr, dass es nicht mehr so ist wie früher. Vom Fotografen Jim Rakete stammt der Spruch: „Wir sind nicht mehr so schnell wie die Jungen, aber dafür kennen wir die Abkürzungen.“ Egal, ob ich Sport mache oder nicht, ich bin nicht mehr so fit wie früher, die Haare werden grau, sie gehen auch aus. Willkommen im Club und gute Nacht.

Was nervt Sie an sich am meisten?

Meine Ungeduld und meine Undiszipliniertheit. Das ist wirklich so. Ich finde immer einen Grund, das nicht zu tun, was ich eigentlich tun sollte. Dabei versuche ich, mich zu benehmen, aber meine Ungeduld kommt immer wieder durch.

Man kann Sie manchmal nur schwer durchschauen.

Das haben mir schon mehrere gesagt. Ich finde das auch ganz gut so. Ich bin kein Mensch, der sich gerne in die Karten gucken lässt. Ich trage mein Herz nicht dauernd auf der Zunge. Ich versuche, Neutralität auszustrahlen.

Wie waren Sie im Teenageralter? Hatten Sie rebellische Phasen?

Meine Rebellion war, die Musik durchzuhalten, die keiner gut fand außer mir. Ich musste mir dafür aber keine bunte Kappe aufziehen, lange Haare tragen oder mich nicht mehr waschen, um irgendwie anders zu sein. Ich war durch meine Musik anders. Bei mir ging es immer um die Schokolade und nicht um die Verpackung.

Was dachten die Mitschüler?

So schlimm war es gar nicht. Der spielt Jazz, das hören wir alle nicht in der Schule, aber irgendwie scheint der ganz gut zu sein, denn der hat „Jugend musiziert“ und „Jugend jazzt“ gewonnen, und jetzt ist er auch noch auf Tournee. Irgendwann glich sich das auch wieder aus, und ich war gar nicht mehr so ein Außenseiter.

Aber zu den coolen Kids gehörten Sie nie?

Aus meiner Sicht nicht. Ich war schon eher zwischen Sonderling und unauffällig.

Und gab es auch Frauen, die darauf standen?

Auf Sonderlinge stehen viele Frauen.

Sie sind vor drei Jahren nach Los Angeles gezogen, haben aber immer noch Ihre Wohnung in Berlin-Charlottenburg. Was bedeutet es Ihnen, einen Koffer in Berlin zu haben?

Berlin ist die Stadt, die mir sehr viel ermöglicht hat. Und ich bin, wie es oft passiert im Leben, durch einen glücklichen Zufall dort gelandet. Ich habe damals eine Stelle in einer der letzten Rundfunk-Big-Bands – der Rias Big Band – bekommen. Dort habe ich eine Ausbildung erhalten, die man heute an keiner Hochschule mehr bekommt. Es war der Sprung ins kalte Wasser, und ich habe innerhalb der acht Jahre mit dem „Who is who“ spielen dürfen. Ich habe als Steppke im Satz gesessen und war zehn Meter entfernt von Leuten wie Gilbert Bécaud, Tony Bennett, Harry Belafonte, Hildegard Knef oder Harald Juhnke. Damals spielte ich meine erste Tournee mit Natalie Cole, ich hätte sogar fast Frank Sinatra auf Tour begleitet, weil jemand in England ausgefallen war und sie mich anriefen. Ich muss mich heute selbst kneifen, dass so etwas überhaupt möglich war.

Sie waren jüngst bei Monika Grütters, der Staatsministerin für Kultur und Medien, zu Gast. Ging es da um Ihre Pläne, eine Jazz-Akademie in Berlin zu gründen?

Sie sind ja informiert, Donnerwetter. Mein Traum ist es, spätestens in zehn Jahren in Berlin ein Zentrum für Jazz zu haben, das international relevant ist – vergleichbar mit dem Lincoln Center in New York. Berlin bezeichnet sich gern als Kulturmetropole. Irgendwann muss die Stadt feststellen, dass es wohl allein die Kunst ist, die sie zu exportieren hat.

Und Leute wie Gregory Porter beweisen ja, dass der Jazz eine Strahlkraft hat.

Gregory Porter hat seine große internationale Karriere in Deutschland begonnen. Das muss man wissen. In Berlin haben wir die Staatsoper, die Philharmonie, die Deutsche Oper, wir haben prominente Persönlichkeiten aus der Welt der Musik bei uns. Die Plattenfirmen sind in Berlin. Aber der Jazz hat, obwohl da während der Nazi-Zeit eine Menge Schindluder mit getrieben wurde, kein richtiges Zuhause. Es täte Berlin gut, wenn der Jazz auch eine Institution auf diesem Level bekäme. Und daran arbeiten wir und sind in Gesprächen mit der Ministerin.

Sie führen also ein Leben zwischen den USA und Europa?

Ich pendele sehr viel hin und her. Es ist ja auch gerade viel los in meinem Leben. Ich habe das Album aufgenommen, dann kamen Konzerte, und ich habe das Glück einer neuen Plattenfirma. Da fragt man sich: „Wo will ich eigentlich hin?“ Dann bin ich noch in Projekte in Los Angeles involviert. Und auch was die Fotografie betrifft, habe ich glücklicherweise seit Neuestem einen Vertrag – das hätte ich auch nie erwartet. Ich bin derzeit amüsierter Zaungast meines eigenen Lebens.

Sind Sie nach L.A. gezogen, weil Sie es jetzt noch mal auf internationaler Ebene wissen wollen?

Es ist bei mir ein bisschen entspannter und weniger militant, als man das manchmal bei anderen sieht. Ich bin nicht nach Amerika gegangen, um Deutschland den Rücken zu kehren, denn dazu besteht überhaupt kein Anlass. Ich bin ja der, der ich bin, weil es hier solche tollen Möglichkeiten für mich gab. Aber ich habe irgendwann auch verstanden, dass man schnell vergessen kann, wie rasant das Tempo dort ist, wo die Musik, die wir Jazzer machen, erfunden wurde. In L.A. bin ich auf Musiker gestoßen, die ich seit Jahren mal treffen wollte, und die dieses Fleckchen Erde auch nicht mehr verlassen wollen. Es ist einfach schön, dort zu sein. Aus der Entfernung lerne ich aber auch, die Vorzüge Deutschlands noch mehr wertzuschätzen.

Welche sind das?

Wir haben sehr schöne Ecken – und dafür muss man gar nicht weit reisen. Wir haben eine Mentalität und eine kulturelle Leidenschaft, auf die wir stolz sein können. Wir müssen uns nur ab und zu mal erinnern, dass wir vielleicht sogar noch leistungsfähiger wären, wenn wir uns nicht selber so im Weg stehen würden.

Wie meinen Sie das?

Deutschland ist ein Bedenkenträgerland. Wir glauben auch gerne mal zu spontan, dass wir moralisch die Welt belehren können. Ich rate ein wenig zur Vorsicht. Wir haben genug bei uns zu kehren, als dass wir der Welt Ratschläge zu geben hätten. Wir sind aufgrund unserer Geschichte in relativ kurzer Zeit mit verschiedenen Wassern gewaschen worden und glauben, daraus sehr viel gelernt zu haben. Vielleicht erklären wir den anderen Ländern deshalb immer wieder gerne unaufgefordert, wie sie es denn zu tun hätten, wenn sie eine echte Demokratie wären. Dabei ist unsere Demokratie noch nicht besonders alt.

Was die Musik betrifft, können uns die Amerikaner Ratschläge geben, oder?

Hier sind wir über die Jahre Abnehmer des amerikanischen Entertainments geblieben – es wurde im weitesten auch dort erfunden. Aber dafür bewundern die Amerikaner uns für das, was uns niemand nehmen kann: die klassische Musik. Das merkt man auch sehr deutlich. Ansonsten beschränkt sich die Wahrnehmung Deutschlands dort aber ganz platt auf Bayern, Bier, Mercedes und Angela Merkel.

Sie sind bei einem New Yorker Plattenlabel unter Vertrag. Ist es anders, wenn Sie nun mit Arbeitsauftrag nach Amerika reisen?

Ein wenig schon. Mein Vertrag täuscht aber nicht darüber hinweg, dass wir es inzwischen mit einer stark veränderten Musiklandschaft und Musikindustrie zu tun haben. Und dennoch bin ich optimistisch.

Der Titel des Albums ist ja auch „The Good Life“.

Richtig. So wie das melancholische Lied, das von vielen Menschen gecovert wurde, unter anderen auch von Frank Sinatra. Die ganze Stimmung auf dem Album appelliert daran, sich für Muße Zeit zu nehmen. Es geht darum, die Menschen mit Musik abzuholen und zu animieren, in bestimmten Situationen auch mal kurz den Schalter auszumachen und nichts anderes zu tun, als ihr zuzuhören.

Sie haben gesagt, es sei ein Album für die intimen Momente. Ist es ein Soundtrack zum Liebemachen?

Das zu sagen, wäre schon ein wenig flach, finden Sie nicht? Aber heute ist es mehr denn je so, dass man Musik anlässlich von irgendetwas anderem konsumiert. Damit müssen sich Künstler abfinden, dass ihre Songs vor allem zur Untermalung dienen. Musik, die eigentlich Filmmusik sein könnte, ist ein Kompliment. Wenn ich mit Musik ein Bild assoziiere, ist das im Prinzip der bedeutendste Beweis dafür, dass sie funktioniert.

Die neue Platte haben Sie in dem Studio aufgenommen, in dem schon Frank Sinatra „My Way“ eingesungen hat.

Das Studio hat Frank Sinatra sogar gehört. Er hat frühzeitig erkannt, dass er unabhängig sein wollte von der Industrie und hat sich dieses Studio gekauft. Es ist erstaunlich, wenn der Toningenieur dich durch die Räume führt und sagt: „Also hier ist ,Der Pate‘ aufgenommen worden und da ,My Way‘ und ,That’s Life‘ .“ Alle Filme, die dort gemacht wurden, könnte man noch mal genauso drehen, weil die Kulissen oft noch so aussehen wie früher. L. A. ist eh wie eine einzige Filmkulisse.

Im Frühjahr waren Sie als einziger deutscher Gast bei den Obamas zum International Jazz Day der Unesco im Weißen Haus eingeladen. Wie war’s?

Beeindruckend. Es waren 45 Künstler unterschiedlichster Couleur und Bekanntheit zugegen. Morgan Freeman hat den Abend moderiert, Aretha Franklin hat ihn eröffnet. Diana Krall, Dee Dee Bridgewater, Al Jarreau, Herbie Hancock, Wayne Shorter und Pat Metheny waren dabei. Und alle waren mindestens so begeistert wie ich. Das war augenfällig.

Mit wie vielen Künstlern haben Sie geredet?

Mit jedem. Natürlich eher Small Talk. Die Stimmung untereinander war im Sinne der Sache sehr besonders. Es gab keine Konkurrenz. Es war egal, wie berühmt jemand war. Es war jedem klar, dass wir alle da waren, um den Jazz ins Weiße Haus zu bringen. Ich kam mir trotzdem ein wenig vor wie der deutsche Alien.

Haben Sie mit Barack Obama gesprochen?

Wir hatten ein kurzes Gespräch inklusive Händeschütteln – er hat übrigens sehr große Hände. Seine Frau hat mich umarmt, sehr herzlich. Die beiden zusammen sind ein Dream-Team. Obama ist ganz klar der Präsident der Intellektuellen. Und wenn man sich anguckt, wo das Land hinsteuert, dann ist Jazz bei Trump wohl eher kein Thema.

Obama singt ja auch schon mal während einer Rede, was ihm immer wieder Sympathiepunkte einbringt.

Er ist sowieso ein extrem tänzerischer, athletischer Typ. Auch wenn er bestimmte Dinge wie das Waffengesetz nicht umsetzen konnte, um sich in die Geschichtsbücher zu schreiben, kann er zumindest kulturelle Hinterlassenschaften präsentieren. Auch „Obamacare“, das Krankenversicherungs-Konzept, scheint zu greifen.

Lag Ihnen Bill Clinton? Der hatte ja auch oft ein Blasinstrument unterm Arm.

Ich habe ihn nie kennengelernt. Aber Freunde, die ihn kennen, sagen, dass er ein extrem charismatischer Gentleman-Typ und smarter Geschäftsmann ist. Sein Prager Einstieg als Saxofonist bei einem Jazzkonzert ging in der Szene damals um die Welt.

Wie und wo leben Sie in L. A.?

Ich wohne in Santa Monica direkt am Wasser. Und weil da jeder morgens im Freien Sport macht, füllt sich auch mein Pensum des Joggens. Du gehst um 9 Uhr morgens in kurzen Hosen raus, läufst am Strand entlang, erfreust dich am Geruch der Pinien und der Palmen. Dann holst du dir in Perry’s Café einen grünen Smoothie oder eine Kokosnuss und guckst aufs Meer. Die Gegend ist wie die Riviera der USA, sie verwöhnt dich. Es ist für mich jedes Mal schwer, von dort wegzufahren. Aber natürlich ist es auch sprichwörtlich verrückt. In L.A. fahren so viele pinke Cadillacs über die Straße wie nirgendwo anders. In Deutschland hätte ein Typ, der so ein Auto fährt, einen Schuss weg. Ich glaube, man passt sich dort automatisch etwas an das ganze Ambiente und Wetter an.

Haben Sie berühmte Nachbarn?

Die habe ich, aber wie das so in L.A. ist, man schweigt darüber. Aber es ist wirklich lustig. Es gibt ja diese berühmte Sightseeing-Tour in Hollywood, die an den Häusern der Promis vorbeifährt: „Hier sehen Sie das Haus von Angelina Jolie, dort drüben wohnt Mel Gibson“, heißt es da. Das gibt es auch per Hubschrauber.

Und Ihr Ziel ist es, eines Tages eine Station dieser Tour zu sein?

Nun mal halblang, bitte. Ich bin Künstler, und das bleibe ich auch. Auf diesem Sektor habe ich Ziele.

Gehen Sie gerne shoppen?

Ja, deshalb wohne ich auch ganz weit weg von Beverly Hills. In Santa Monica kann man allerdings auch gut shoppen, es ist nur ein bisschen touristischer und hippiemäßiger.

Werden Sie manchmal von deutschen Touristen erkannt?

Das kommt vor. Du musst eigentlich nur in die großen Shopping Malls gehen oder zu den Attraktionen am Pier. Interessanter ist in der Tat, wie viele Deutsche in L. A. wohnen. Es gibt eine ernstzunehmende Community, und die kennt sich untereinander. Man findet dort Offenheit und Verbindlichkeit. In Deutschland macht doch jeder eher seins. Neid und Missgunst gibt es in L.A. offiziell nicht. Das färbt automatisch ab. Den entspanntesten, aufrichtigsten und großzügigsten Deutschen triffst du also gerne mal außerhalb Deutschlands.

Dabei ist doch immer von der Oberflächlichkeit der Amerikaner die Rede.

Das stimmt eben nicht, es ist sogar eine ausgesprochene Verlässlichkeit vorhanden. Es ist ein ganz anderes Geschäftsgebaren und Tempo. Du antwortest auf geschäftliche E-Mails innerhalb von 30 Minuten. Denn wenn du dich nicht zurückmeldest, bekommt schon der Nächste das Angebot. Das ist sehr effektiv, und das eignen sich Deutsche, die dort Erfolg haben wollen, sofort an.

Wie ehrgeizig sind Sie?

Mein Ehrgeiz ist natürlich da, aber ich bin ja kein Schauspieler, der nach Amerika gegangen ist, um eine Rolle zu bekommen. Neulich hat mir ein Taxifahrer seine ganze Geschichte erzählt: Wie nah er dran war, eine Hauptrolle in „Gangs Of New York“ zu bekommen. Dass er jetzt 48 sei und aufgeben würde. Er hätte einfach nicht mehr die Kraft, das Spiel mitzumachen. Solche Gespräche führst du nur in der Stadt, aus der die großen Träume kommen.

Ist das auch inspirierend für Sie?

Es bestätigt, wie hart dieses Geschäft ist. Der Schritt zum ganz großen Geld und Weltruhm ist nur ganz wenigen vorbehalten. Du musst eben Glück haben und den richtigen Agenten. Ich stelle immer wieder fest, wie privilegiert ich bin mit meiner Position in Deutschland und mit dem, was ich machen darf. Und wie privilegiert ich in L.A. bin, dass ich nicht wie andere darauf angewiesen bin, es dort zu schaffen. Ich geh da als der hin, der ich bin. Egal, ob ich dort noch mal durch die Decke gehe oder nicht. Du darfst mit Erfolg nicht rechnen, dann freust du dich umso mehr, wenn er kommt.

Das Gespräch führte Katja Schwemmers.