Macht auch auf dem Land eine gute Figur: Tim Oliver Schultz.
Foto: Christian Schulz

BerlinDer Schauspieler Tim Oliver Schultz, man kennt ihn aus „Club der roten Bänder“ und „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“, verbringt seine Corona-Einschränkungen sehr idyllisch mitten in Brandenburg. Da hat er wenigstens Landschaft und nur wenige Schritte entfernt einen See. In seiner früheren Dreier-WG in Schöneberg ist er der letzte Bewohner, weil die anderen ausgezogen sind. „Aber da zieht bald wieder jemand ein.“ Auf seinem Grundstück hat Schultz das, was ihm beruflich wegen der Pandemie gerade fehlt: Projekte. Zum Beispiel die Terrasse, die neu gebaut wird. „Dafür habe ich 1,6 Tonnen Zement gekauft. Die Säcke herumzutragen, ist besser als jedes Hanteltraining.“

Wobei er auch eine Schlechtwettervariante parat hätte, denn drinnen steht eine Hantelbank: „Eigentlich sollte ich jetzt im spanischen Rioja als muskulöser Indianer vor der Kamera stehen. Ich habe mir also vor Corona einen Personal Trainer genommen und sorge jetzt dafür, dass das nicht alles umsonst war. Den Indianer kann ich ja dann hoffentlich demnächst doch noch spielen.“

Ein berufliches Projekt, an dem Tim Oliver Schultz so sehr hängt, dass er nicht erwarten kann, wann es endlich weiter geht, ist die Serie „Seine Tochter“, mit der die Schimanski-Geschichte weitererzählt werden soll. Mit seinem Kollegen Constantin von Jascheroff, seit der gemeinsamen Arbeit an „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ ein Freund, spielt er dabei ein schwules Paar.

Schon die Drehzeit für den „Triloten“, eine Mischung aus Trailer und Pilotfilm, empfand Schultz als beglückend. Gar nicht so wie bei diesen Arbeiten, die fast jeder Schauspieler kennt, bei denen man sich als Beteiligter von der ersten Sekunde an immer wieder trösten muss: Damit zahle ich die nächste Miete. Bei „Seine Tochter“ war das, wie Schultz erzählt, sofort anders: „Alle haben Bock darauf, genau das zu machen, alle sind total engagiert dabei und bringen sich ein. Ich will unbedingt, dass es endlich losgeht.“

Bevor die eigentlichen Dreharbeiten starten können, gibt es einen Zwischenschritt: Die Geschichte vor der Geschichte, die die Serie erzählen wird, erscheint gerade als Hörbuchreihe auf Youtube und Spotify. Für Schultz eine angenehme Abwechslung: „Wenn du nur mit der Stimme arbeitest, ist es unwichtig, ob die Frisur sitzt oder ob du dich nicht eigentlich noch rasieren müsstest.“ Und einen angenehmen Nebeneffekt sollte man aus seiner Sicht auch nicht verachten: „Es geht viel schneller, bis das fertige Hörbuch vorliegt.“

Während wir miteinander sprechen, sitzt Schultz im Auto. Er will einkaufen. Meine Frage, ob er in Brandenburg Masken bekommen konnte, beantwortet er noch ganz ruhig: „Ich habe zwei, die mein Cousin genäht hat.“ Dann ein Fluch: „Mist! Keine dabei.“ Er fährt also zurück zum Haus, denn ohne Maske könnte er ja nicht in den Supermarkt. Unterwegs erzählt der 31-Jährige, wie er sich nach dem Serienangebot mit Schimanski vertraut gemacht hat: „Ich kannte die Filme vorher nicht, habe sie mir dann aber natürlich angeschaut. Und dachte bald: Wie geil, so eine besondere Figur, komplett gegen das Establishment. Und das schon in den Achtzigern!“

Für die Zeit nach Corona, von der niemand weiß, wann sie anbrechen wird, plant Tim Oliver Schultz eine große Party auf seinem Grundstück. „Mit ganz vielen Pizzen und Umarmungen. Und es wird egal sein, aus welchem Glas man trinkt. Das fehlt mir.“