"Auf der Suche nach dem verlorenen Witz" heißt das neue Programm von Timo Wopp.
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BerlinDen größten Applaus bekommt er immer noch für seine witzigen Jongliernummern. Timo Wopp war zu Beginn seiner Karriere sogar in Häusern wie dem Cirque du Soleil und im Wintergarten aufgetreten, und wie er drei Bälle in der Luft hält und am Körper platziert und mit den Bällekonstellationen alle möglichen Formen der Kommunikation darstellt, bleibt eine Klasse für sich. Manche Kollegen werfen immer wieder ihre rhetorischen Bälle in die eine Richtung, auf denselben Gegner, doch Timo Wopp hat keine Lust mehr darauf.

 Mit seinem dritten Programm „Auf der Suche nach dem verlorenen Witz“ stellt er das aktuelle Dilemma des Kabaretts heraus: Politiker wie Donald Trump oder Andreas Scheuer liefern so absurde Vorlagen, die kein Bühnenkünstler übertreffen kann. Gegenhalten will Timo Wopp mit einem „krassen Konsens-Programm“ und benennt Margot Käßmann und Joachim Gauck als Vorbilder.

Bauchgefühle auf dem Vormarsch

Doch der Bälleartist und Wortakrobat Tim Wopp ist vom Pastoralen zum Glück weit entfernt, und auch wenn er keine politischen Gegner direkt angreift, so fragt er doch danach, welche Methoden die aktuellen Debatten immer stärker bestimmen, im Privaten wie im Politischen. Geschickt agiert er mit Fachbegriffen wie „paradoxe Intervention“ oder „Überkommunikation“ und führt anschaulich vor, wie das „ehrliche Lügen“ funktioniert. Besonders intensiv widmet er sich dem Vorrücken der „Bauchgefühle“, überhaupt alles „Gefühlten“ gegenüber dem Verstand, und fragt, warum es den Begriff des „Verfühlens“ eigentlich nicht gibt: Sachliche Irrtümer werden, wenn auch selten, eingestanden, falsche, trügerische Gefühle aber nie.

Ein Programm voller Provokationen

Sein Spiel mit den Kommunikationsstrategien, das er im übrigen auch sehr erfolgreich auf Messen, Kongressen und für große Firmen vorführt, belegt er immer wieder mit Beispielen aus seinem Milieu – den gehobenen Akademikerkreisen im Prenzlauer Berg. Aus seinen Erlebnissen unter Eltern könnte er sicher ein eigenes Programm machen. Er spielt vor, wie er sich mit dem kleinen Jesus auf einem Spielplatz auseinandersetzen muss und fragt, was die neue Arschgeweih-Sünde im Viertel ist, die man bitter bereut – das Drittkind oder die überteuerte Eigentumswohnung. Er wundert sich, warum er immer wieder als „Familienvater“ angekündigt wird, während es den Begriff der „Familienmutter“ nicht gibt. Wird er etwa diskriminiert? Nicht nur hier ist er, „weiß männlich, heterosexuell“, auf der vergeblichen Suche nach einer passenden Opferrolle, mit der sich Debatten so viel leichter bestreiten ließen. Doch viele Opfer suchten für ihn nur nach „selbst gewählten Leidensgruppen“.

Das alles ist beileibe kein braves Konsens-Programm, sondern steckt voller Provokationen und Anregungen und seine vorsorglich ausgesponnene Exit-Strategie - als Biobauer will er unter dem Label „Die Prenzl-Nase“ in der Uckermark vollwertiges Kokain produzieren – wird er wohl noch für einige Zeit verschieben können.