Der Vater ist im Krieg. Die Mutter muss in der Fabrik arbeiten. Rosalie ist zu alt für die Kinderfrau und zu jung für die Schule. Der Lehrer erlaubt ihr, hinten im Klassenraum zu sitzen. „Mit meinen Schuhen, dem Kleid und meinem roten Haar habe ich mich als fünfeinhalbjähriges Mädchen getarnt.“ Timothée de Fombelle lässt in seinem Buch „Rosalie. Als mein Vater im Krieg war“ das Mädchen selbst erzählen.

„Um nicht aufzufallen, trage ich keinen Helm und keine Uniform“, sagt Rosalie, denn sie spielt für sich, dass sie nur eine Rolle spielt. In ihrer Vorstellung ist sie ein Hauptmann auf geheimer Mission, setzt selbst fort, was der Vater im Herbst 1916 an der französischen Front des Ersten Weltkriegs tut. „Ich habe gehört, dass die Soldaten sich mit Farnkraut tarnen, das sie an ihre Uniform nähen. Mein Farnkraut sind aufgeschlagene Knie, abwesende Blicke, kleine Lieder, die ich vor mich hinsinge, um wie ein kleines Mädchen zu wirken.“ Tobias Scheffel und Sabine Grebing haben die oft kurzen, oft nachdenklichen Sätze ins Deutsche übertragen.

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