Fernsehturm, Brandenburger Tor und Reichstag zählen sicherlich zu den am meisten fotografierten Orten in Berlin. Sie zieren die Fotoalben fast aller Berlin-Touristen. Doch die Hauptstadt hat noch viel mehr Motive zu bieten – auch jenseits der belebten Plätze.

Wir haben elf Berliner Fotografen gefragt, welche Orte sie für ihre Aufnahmen am liebsten aufsuchen, was das "Berlin-Gefühl" dort ausmacht und wie sich die Stadt dort verändert hat. Ihre Antworten lesen sie hier:

Jürgen Hohmuth: Am Nordende der Museumsinsel

Was macht diesen Ort aus?

Dort gibt es eine einzigartige Szenerie mit Strandbar, Amphitheater und Menschen, die am Strand Tango tanzen. Da kulminiert vieles, was sich in der Stadt so abspielt. Außerdem kann man das skurrile Schauspiel beobachten, wie die Touristen auf den Ausflugsdampfern den Touristen am Strand zu winken und umgekehrt.

Wann ist die beste Zeit, um dort zu fotografieren?

Zur Dämmerung und zu den Sonnenuntergängen in den warmen Jahreszeiten, herrscht dort eine irre Stimmung.

Wie hat sich der Ort verändert?

Ich gehe schon seit über zehn Jahren an den Strand dort. Die Brücke ist fertig geworden, der Dampferverkehr ist dichter und die Touristen sind mehr geworden.

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Sergej Bitsch: Im alten S-Bahn-Depot in Heinersdorf

Was macht diesen Ort aus?

Es ist ein riesiges Gelände mit vielen Häusern, der teilweise sehr düster sein kann, aber auch als Anlaufpunkt für Sprayer dient.

Wann ist die beste Zeit, um dort zu fotografieren?

Zum Sonnenuntergang im Sommer.

Wie hat sich der Ort verändert?

Er hat sich nicht viel verändert. Die Gebäude sind mittlerweile fast eine Ruine. Es kommen jedoch immer neue Graffiti und Streetart dazu.

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Harald Hauswald: Im Hirschhof in Prenzlauer Berg

Was macht diesen Ort aus?

Der Hinterhof war in den 1980er Jahren der Szenetreff in Prenzlauer Berg, der einzige ungebundene und freie Ort in Ost-Berlin. Dort gab es viele Feste, Freiluftkino und Theatergruppen traten auf. Bis Anfang der 80er war der Hof zwischen Kastanienallee und Oderberger Straße zugewuchert. Dann haben ihn drei Bildhauer gestaltet. Der Name Hirschhof kam von einer Metallskulptur, die dort aufgestellt wurde und einen Hirsch zeigte.

In der Zeit kam mal ein Mann zu mir nach Hause, der behauptete, von der Berliner Zeitung zu sein. Er hat nach Bildern von dem Hof gefragt. Allerdings druckste er dann ziemlich rum. Später las ich dazu einen Eintrag in meiner Stasiakte. Dort war vermerkt, dass ich ein unintelligenter Mensch sei, weil ich kaum Bücher und Schallplatten habe.

Wann ist die beste Zeit, um dort zu fotografieren?

Das waren die Achtziger.

Wie hat sich der Ort verändert?

Der Ort ist heute leider nicht mehr öffentlich zugänglich.

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Sarah Swantje Fischer: Im Weinbergspark

Was macht diesen Ort aus?

Der Park ist eine typische Berliner Grünanlage. Ich habe lange dort in der Nähe gewohnt, da war dieser Ort für mich einfach ein Stück sofort verfügbarer Natur. Außerdem gefallen mir die sozialistischen Skulpturen, die man noch im Park findet.

Wann ist die beste Zeit, um dort zu fotografieren?

Im Sommer ist der Park vollkommen übervölkert, deswegen gehe ich gern nachts dorthin.

Wie hat sich der Ort verändert?

Der Ort zeigt sich heute im Zuge der allgemeinen Gentrifizierung und durch regelmäßige Drogenrazzien viel aufgeräumter als in den letzten zehn Jahren zuvor.

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Michael Schulz: Auf der Siegessäule

Was macht diesen Ort aus?

Der Blick von der Siegessäule begeistert mich jedes Mal aufs Neue. Je nach Himmelsrichtung sieht man verschiedene Skylines, im Osten den Fernsehturm, Im Süden den Potsdamer Platz, im Westen Charlottenburg, Kaiserdamm und Funkturm und im Norden das Hansaviertel. Davor erstreckt sich der Tiergarten - je nach Jahreszeit und Tageszeit in unterschiedlichsten Farben.

Wann ist die beste Zeit, um dort zu fotografieren?

Wochentags um die Mittagszeit, dann drängeln sich nicht so viele Touristen auf der Aussichtsplattform.

Wie hat sich der Ort verändert?

In den drei Jahren, die ich dort hingehe, bis auf die Jahreszeiten gar nicht.

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