Die Infektionszahlen sinken, aber sie sinken nicht schnell genug. Daher gibt es auch für diese Woche ein paar Empfehlungen der Redaktion, um sich die Stunden zu Hause angenehmer zu machen. Aber vorsichtig: Nicht jeder Tipp endet vor dem Bildschirm ...

Spiele

Das Kino ist zu, alle Kinos sind zu, es ist ein Jammer. All die schönen Filmerlebnisse kann, ja, muss sich in Erinnerung rufen, wer sich den daumendicken „Stadt Land Kino“-Block besorgt, den die Yorck-Gruppe herausgegeben hat. Auch erfahrene Filmfreunde merken, wie schwer es fällt, unter Zeitdruck einen Regisseur mit C, eine Filmfigur mit M oder N zu finden und dann möglichst nicht den zu wählen, den die anderen am Familientisch auch notieren werden. Die Illustrationen von Büke Schwarz sind da tückisch, zeigen zum Beispiel Hitchcock und Edward mit den Scherenhänden. Die schwierigste Kategorie dürfte der Titelsong sein, diese Erfahrung machte die hier schreibende Spielerin. Einen Kinonamen zu notieren, fällt Berliner Cineasten dagegen leicht. Denn noch haben wir sie, die einzigartige Vielfalt von Filmtheatern in der Stadt. 9,90 Euro kostet die Vorlage im Onlineshop der Yorck-Kinos. Cornelia Geißler 

Die Jahre 2020 und 2021 sind nicht die Zeit ausgedehnter Spieleabende. Abstand halten, nur eine haushaltsfremde Person empfangen – Zockern wird das Leben schwer gemacht. Doch es gibt auch Spiele, die so wirken, als seien sie für genau die Zeit erfunden worden. Ein Beispiel ist „SenSense“, eines der wohl verrücktesten Rätsel-Abenteuer auf dem Markt. Das Prinzip wirkt regelrecht irre: Drei Spieler sitzen – gern auch mit Abstand, Maske oder sogar draußen – im Dreieck voreinander. Jeder hat sein Handy in der Hand. Alle drei sind in der „SenSense“-App miteinander verbunden und müssen gemeinsam ein Rätsel lösen. Allerdings bekommt jeder auf seinem Handy einen anderen Hinweis, der zur Lösung führt. Der Clou: Einer der Spieler hat verbundene Augen, einer darf nicht sprechen und einer kann nichts hören, weil er über seine Kopfhörer mit lauten Café-Geräuschen berieselt wird. Trotz dieser Einschränkungen müssen die drei Spieler miteinander kommunizieren und sich irgendwie über ihre Hinweise verständigen, sie zusammenführen und die Lösung finden. Wie? Das ist der Spaß an der Sache. Denn was zunächst einfach klingt, bringt mit höherem Schwierigkeitsgrad nahezu unüberwindbare Hürden mit sich. „SenSense“ ist ein Spiel, das süchtig macht – und das die Spieler Kommunikation und ihre Tücken völlig neu erleben lässt. „SenSense“ (Just So Games, Sprache: Englisch), erhältlich für 2,99 Euro (Google Play) und 3,49 Euro (App Store) Florian Thalmann

Musik

Es ist ja wirklich zum Heulen! Die Pandemie, die damit einhergehende Unruhe, die Einsamkeit und die Angst vor Verlusten, das drückt aufs Herz. Was soll man da noch hören? Adele? Leona Lewis? Tony Braxton? Das neue Album „Home“ von dem kanadischen Musikprojekt Rhye könnte hier aushelfen. Obwohl das vierte Werk von Michael Milosh mit Synth- und Dream-Pop sowie leichten Disco-Einflüssen zum Tagträumen anregen will, drücken Chor und Gesang ganz schön auf die Tränendrüsen. Der Albumtitel ist in sofern passend, da man es nur daheim hören kann. Also Taschentücher raus oder den nächsten Musiktipp lesen. Rhye: „Home“ (Caroline Records), zwischen 12 und 22 Euro. Nadja Dilger

Haben Sie auch seit der Corona-Krise ein paar Kilos dazugewonnen? Am Arm, Bauch, Po? Dann könnte Ihnen jetzt das Tech-House-Breakbeat-Album „Isles“ weiterhelfen. Es heißt zwar nicht „Bicep“, wie das letzte und erste Werk des elektronischen Musikduos Bicep aus Belfast, doch es steht natürlich für die gleichen rhythmischen Bewegungen, die man zu den neuen Liedern machen kann: Arm schütteln, hoch, zur Seite; dann die Hüfte kreisen – nach rechts, nach links. Versuchen Sie es mal, es ist eigentlich gar nicht so schwer. Nur wenn Sie gen Ende des Albums angelangt sind, könnte es statt eines Tanzes ein Spinning werden, schneller als je zuvor! Aber für ein paar Kilos weniger tut man bekanntlich alles. Bicep: „Isles“ (Ninja Tune/Rough Trade), zwischen 9 und 33 Euro. Nadja Dilger

Streaming

Die Kollegin, die in einem Kommentar auf die neue Netflix-Serie hingewiesen hat, war wohl zu hibbelig oder mental noch nicht gründlich genug zerrüttet, um den prompten Nutzen der televisionär vermittelten Meditation für sich in Anspruch nehmen zu können. Stattdessen hängte sie lieber Wäsche auf. Es geht um „Headspace: Eine Meditationsanleitung“. Der buddhistische Mönch und Firmengründer Andy Puddicombe, der die gleichnamige App gelauncht hat, erklärt und erzählt so ein bisschen, was Meditation ist und was sie kann. Es beginnt mit Atmen und Loslassen und endet mit Teil acht: „Sein unbeschränktes Potenzial entfalten.“ Kennt man alles schon oder kann man sich selbst denken, wird aber schön sanft und lakonisch vermittelt mit wirklich liebevollen Grafiken. Im zweiten Teil jeder Folge darf man es dann selbst probieren. Es ist die einfachste, billigste, kohlenstoffdioxidärmste und hygienischste Art zu reisen. Zu jeder Meditation gehört, dass man sich zu Beginn selbst in seiner Umgebung wahrnimmt und visualisiert. Und das ist nun, verglichen mit der allsonntäglichen „Tatort“-Wegpennerei, wirklich höhergradiges Fernsehen: Man sitzt mit geschlossenen Augen vor dem Bildschirm und sieht sich zu, wie man mit geschlossenen Augen vor dem Bildschirm sitzt. Wer da wegzappt, ist selber schuld. Andererseits ist das Wäscheaufhängen vielleicht doch die effektivere Art der Meditation. Nichts räumt den Geist besser auf, und hinterher ist was im Haushalt erledigt. Headspace: Eine Meditationsanleitung. Eine Staffel, acht Folgen. Netflix.  Ulrich Seidler

Podcast

Melanie Barzadeh ist Mitte 30 und möchte unbedingt ein Kind. Nur fehlt ihr der richtige Partner dazu, verheiratet ist sie auch nicht. Letzteres ist ein Problem, weil sie aus einer iranisch-amerikanischen Familie kommt. „Du wirst die Nächste sein“, rufen ihr die Gäste auf einer Hochzeit, die sie besucht, entgegen. Es geht um Liebe, die Frage, wer der „Richtige“ ist, um Erwartungen. Die, die man selber hat, und die, die an einen gerichtet werden – der Graben dazwischen ist bei Einwandererkindern der zweiten Generation ja besonders tief. Sharon Mashihi hat diesen Podcast „Appearances“ erschaffen und damit eine halb autobiografische, halb fiktionale Version ihrer selbst. Als Zuhörer fühlt man sich bald als Teil dieses Kosmos.  Appearances, podcasts.google.com Susanne Lenz