Die Kommissare Sahin (Almila Bagriacik) und Borowski (Axel Millberg) mit Pastor Flemming (Martin Lindow)
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BerlinEs gibt wohl kaum jemanden, der als  Regisseur und Autor so eng mit dem „Tatort“ verbunden ist, wie Niki Stein. Auf jeden Fall nimmt er die Sache sehr persönlich und ist seit seinem Debüt 1992 bemüht, keine Konfektionsware zu liefern, sondern Maßgeschneidertes. Idee, Buch und Regie – auch beim neuen Borowski liegt wieder alles in seiner Hand. Um es vorweg zu nehmen, die enorme Ambition, mit der Niki Stein an die Inszenierung seines norddeutschen Familiendramas gegangen ist, steht hier leider allzuoft der Geschichte selbst im Wege. 

Indem sich der Film in seiner Rückwärtsverschachtelung einer klassischen Erzählweise oder auch nur Dramaturgie verweigert, macht er sich komplizierter als nötig. Dabei sind die Zusammenhänge so schon nicht ganz einfach zu lesen. Auf einer Küstenstraße an der Ostsee läuft Borowski (Axel Millberg) und seiner Kollegin Sahin (Almila Bagriacik) ein verwirrter Junge vors Auto.

Simon will im Wald seinen Großvater gesehen haben, verfolgt von einem  Hund und beschützt von einem Indianer. Die Polizisten bringen das Kind zurück zu den Eltern, der Vater ist Pfarrer, die Mutter arbeitet in der Pflege und beide scheint ein Geheimnis – nicht  zu verbinden, sondern eher zu trennen. Als der Opa tot am Strand gefunden wird, haben die Kommissare einen Fall, der mit jedem ihrer Ermittlungsversuche diffuser wird. Und nicht nur für sie.

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Tatort – Borowski und das Haus am Meer

Sonntag, 15.12.2019, 20.15 Uhr, ARD

Was ist mit dem Indianer? Was mit dem Schiff, das immer wieder auftaucht? Welche Rolle spielt die dänische Dame  dort an Bord? Was ist Fantasie, was Wirklichkeit? Es kommt ein bisschen viel an Unklarheiten zusammen, um als Zuschauer noch einigermaßen im Flow bleiben zu können.

Was dem Film an Stringenz fehlt, macht er mit Atmosphäre nicht wett, so schön die Bilder von Arthur W. Ahrweiler (Kamera) auch sein mögen. Das Licht wie bei Ingmar Bergman (und auch der protestantische Subtext), die Szenerie wie bei Caspar David Friedrich. Niki Stein hat sich für seinen „Tatort“ sehr viel vorgenommen, vielleicht sogar etwas zu viel.