Im Minutentakt haben Menschen ihr Beileid, ihre Erinnerungen, ihre Wünsche, ihre Bestürzung und ihre Trauer über den Tod des Fotografen Oliver Rath niedergeschrieben. Auf seinem Blog wurde am Sonnabend ein Kondolenzbuch eingerichtet. Seitdem haben Menschen aus der ganzen Republik ihre Gedanken und Erinnerungen an Rath online in ihren Beiträgen geteilt. Der gebürtige Heidelberger ist in der Nacht zu Freitag im Alter von 38 Jahren gestorben. Er hinterlässt seine Partnerin und zwei Kinder. Zu den Umständen seines Todes wolle sich die Familie nicht äußern, hieß es in einem Medienbericht.

Erste Aufträge

„Olli war eine begnadete Seele – als Künstler und als Mensch – egal ob in Freiburg oder Berlin“, ist auf Raths Blog zu lesen. In seinem Leben waren beide Städte von großer Bedeutung. Rath wurde zwar 1978 in Heidelberg geboren, wuchs jedoch in Freiburg auf. Dort begann er seine Karriere als DJ, unter dem Pseudonym Al Kapone legte er vor allem HipHop auf. Sein Image war das eines prolligen Rappers. Mit seinem langjährigen Freund Jan Ehret tourte er auch in den vergangenen Jahren als DJ-Duo Ehret und Rath durch die Clubs. Seine ersten Aufträge als Fotograf bekam Rath zunächst für Bilder von Konzerten und Modenschauen.

Auf seinem Fotoblog postete er ab 2009 regelmäßig eigene Bilder. Ein Jahr später zog er nach Berlin und wurde schnell als Fotograf erfolgreich. In seinen Aufnahmen setzte er die Schönen und Reichen opulent in Szene, er inszenierte die Porträts aufwendig und auffällig. Zu den zahlreichen Prominenten, die er ablichtete, gehören zum Beispiel Sophia Thomalla, Jürgen Vogel, Karl Lagerfeld und Cosma Shiva Hagen.

Aufsehenerregend waren ebenfalls Raths Fotografien von Models, Männer wie Frauen, die viel Haut zeigten, sich aufreizend räkelten, vermeintlich Drogen konsumierten, ihren Körper akrobatisch verdrehten oder in Leder, Pelz und Metallketten gehüllt posierten. Einige dieser Aufnahmen veröffentlichte Rath 2014 in seinem ersten Bildband „Berlin Bohème“. Er arbeitete zuletzt an einer Fortsetzung, die den Arbeitstitel „Born wild in Berlin“ trug. Rath hat sich sein fotografisches Know-how selbst erarbeitet, auf seinem Blog fand er für sein eigenes Werk lobende Worte, bezeichnete sich selbst als Bildchronisten eines Zeitgeistes. In dieser Selbstbeschreibung endet er mit den Worten: „Gib dir nur eines seiner Bilder und nenn ihn ab sofort deinen Lieblingsfotografen.“

Lebensgeschichte als Film

Nahe dem Rosenthaler Platz in Berlin Mitte öffnete Rath 2012 seine Galerie. Dort präsentierte er aber nicht nur seine eigenen Werke. Zum Beispiel wurde erst am 12. August die Ausstellung „Wir sind ein Volk – Kreative gegen rechts“ eröffnet, die Plakate anderer Künstler zeigt.

Rath machte aber nicht nur Musik und Fotos, er plante, seine eigene Lebensgeschichte zu verfilmen. Dafür wurden im vergangenen Jahr Sophia und Simone Thomalla engagiert, wie es hieß. Jedoch gab es danach keine weiteren Details zu der Produktion mehr. Nun hat sich das Buch seines Lebens geschlossen.

Hier eine Auswahl von Fotos, die Oliver Rath kürzlich auf seinem Instagram-Account gepostet hat: