Hollywood-Star Tom Hanks
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Los AngelesEr wurde Hollywoods Gesicht der Coronavirus-Pandemie. Tom Hanks war der erste Weltstar, der sich im März mit Covid-19 ansteckte und seinen Positivbefund öffentlich machte. Inzwischen ist der 63-jährige Amerikaner wieder gesund. In Deutschland läuft sein neuer Film „Greyhound“ an – ab dem 10. Juli beim Streaming-Dienst Apple TV+. Als wir den Schauspieler sprechen, hält der sich allerdings nicht lange mit seinem Film auf, den er auch produziert und für den er das Drehbuch geschrieben hat. Das Gespräch dreht sich um das richtige Verhalten in Pandemie-Zeiten, Präsident Donald Trumps fahrlässigen Umgang mit dem Virus und die „Black Lives Matter“-Bewegung.

Mr. Hanks, für viele war es vorbildlich, wie Sie Ihren Corona-Krankheitsverlauf in den Social Media geteilt haben, um mit Informationen anderen die Angst zu nehmen.

Mir war es wichtig zu zeigen, welche Herausforderungen vielen anderen bevorstehen. Mit der Bekanntgabe, dass wir uns in Isolation begeben hatten, ging es ja nicht nur darum, unseren Krankheitsverlauf zu überwachen – den Sauerstoffgehalt im Blut, unsere Lungenfunktion und so weiter. Noch wichtiger war, dass wir von der Außenwelt abgeschottet waren und keine anderen anstecken konnten. Meine Frau und ich wollten das kollektive Bewusstsein anfeuern. Denn das ist nötig, um die Gesundheitskrise zu überstehen.

Bei Ihrer Frau Rita kam noch das erhöhte Risiko hinzu, dass sie vor fünf Jahren Brustkrebs hatte. Woher nimmt sie ihre Kraft?

Diese kommt von innen, weil sie ein glücklicher Mensch ist. Und ein kreativer. Sie arbeitet mit unglaublicher Zielstrebigkeit an ihrer Musik. Sie ist unermüdlich und nichts würde sie stoppen, einfach nichts! Ich kann da nur staunend zuschauen. Und manchmal darf ich ihren Lipgloss halten oder ihr sagen, wo sie ihr Handy vergessen hat (lacht).

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Zur Person

Thomas Jeffrey „Tom“ Hanks wurde 1956 in Concorde, Kalifornien, geboren. Er gehört zu den profiliertesten Charakterdarstellern Hollywoods und wurde zweimal mit dem Oscar als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet – für die Hauptrollen in den Filmen „Philadelphia“ (1993) und „Forrest Gump“ (1994).

Der Schauspieler war einer der ersten älteren prominenten Corona-Erkrankten der westlichen Welt. Er überlebte die Krankheit, die ihn und seine Frau, die Schauspielerin Rita Harlow (63), in Australien bei Dreharbeiten traf, unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit und ohne in Lebensgefahr zu geraten.

In seinem neuen Film „Greyhound – Schlacht im Atlantik“ spielt Hanks einen Kapitän, der kurz nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg einen internationalen Konvoi von 37 alliierten Schiffen befehligt. Sie werden bei der Überquerung von deutschen U-Booten angegriffen.

Sie scheinen nie Ihre gute Laune zu verlieren. Wie machen Sie das?

Ich wache jeden Tag auf und fühle mich gesegnet, dass ich gesund und sicher bin. Diesen Luxus hat nicht jeder. Ich weiß, wie viele Menschen gerade leiden. Wie viele durch den Lockdown nicht mehr arbeiten, ihre Mieten oder Autoraten nicht mehr zahlen können und einfach nur leiden. Ich habe das große Glück, die Möglichkeit zu haben, wirtschaftlich weniger gesegneten Menschen zu helfen. Etwa indem meine Frau und ich für örtliche Hilfsorganisationen, die Bedürftige speisen, Schecks ausstellen.

Es gibt Menschen, die sich den Coronavirus-Schutzmaßnahmen widersetzen und damit alle gefährden. Ärgert Sie das?

Es sollte wirklich nicht so schwer sein, kleinste Verhaltensweisen zum Wohle der Allgemeinheit zu ändern. Beim Shopping soziale Distanz zu bewahren, eine Gesichtsmaske zu tragen und seine Hände zu waschen. Es gibt keinen einzigen Amerikaner, keinen einzigen Menschen mit einem Gewissen, der dazu nicht in der Lage wäre. Und dennoch wollen es einige nicht. Ich hoffe und bete nur, dass es am Ende genug von uns gibt, die das Richtige tun.

Amerika ist gespaltener denn je. Wie bewerten Sie, wie Präsident Donald Trump mit der Corona-Krise umgeht?

Lassen Sie es mich so formulieren: Schon sehr bald werden wir alle die Möglichkeit haben, ihn zu bewerten. Und per Wahl zu entscheiden, ob er eine zweite Amtszeit verdient hat.

Wie würden Sie Trump bewerten?

Es gibt ein Zitat, von wem genau, weiß ich jetzt nicht, das lautet: „Das Einzige, was das Böse braucht, um zu triumphieren, ist, dass gute Menschen nichts dagegen tun.“ Ich will jetzt nicht unbedingt sagen, er ist das Böse. Aber von Zeit zu Zeit bekommen wir in Amerika die Regierung, die wir verdienen. Ich gehöre zu denen, die nicht der Meinung sind, dass der Präsident diese Nation bestens beschützt und der Verfassung alle Ehre gemacht hat.

Hollywood steht noch immer still und die Covid-19-Zahlen in fast ganz Amerika steigen wieder. Haben Sie schon eine Idee, wann Sie als nächstes wieder drehen können?

Wir hoffen, dass wir unseren Elvis-Film in Australien eventuell im Oktober weiterdrehen können. Der Wille ist auf jeden Fall da, doch noch brauchen wir einen Plan, der alle Regeln und Einschränkungen am Set umsetzen kann.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich dank der „Black Lives Matter“-Bewegung wirklich etwas für Afroamerikaner in Amerika ändert?

Als weißer Mann meiner Altersstufe kann ich nur versuchen, zuzuhören und zu schauen, wie ich mich einsetzen kann. Ich habe als junger abgebrannter Schauspieler in New York die Erfahrung gemacht, dass ich ohne Probleme jedes Mal gleich ein Taxi bekommen habe. Für einen schwarzen Schauspielkollegen hat nicht ein einziges angehalten. Das ist ein gesellschaftlicher Fakt. Aber ich habe Hoffnung, dass Amerika den schrecklichen Tod von George Floyd nutzen kann, um Amerika zu einem Amerika für alle Amerikaner zu machen.