Berlin - Tom Jones hat „es“ noch; im Publikum des Konzerts, das der mittlerweile 75-jährige Sänger aus Wales mit neunköpfiger Band in der Zitadelle Spandau gab, konnte man so manche Dame im Rentenalter quietschen hören, als sei sie 14. Zwar attestierte man „Tiger“ Jones seine Sex-Power nicht mehr wie einst in den wilden Vegas-Jahren qua Slip-oder-BH-Wurf in Richtung Bühne, doch sang er in seiner Cover-Version des Hank-Williams-Klassikers „Why don’t you love me“ passend die Zeile „my hair’s still curly and my eyes are still blue“, und in diesen von Wuschelhaar umrahmten blauen Augen sitzt immer noch der Schalk – selbst wenn Jones offenbar auf der Sonnenbank kein Fremder ist und sein Gesicht seit Jahren ein wenig einer gewinnend lächelnden Mandarine gleicht.

Vor allem aber ist Jones nach wie vor sehr gut bei Stimme, und am Dienstagabend setzte er diese Stimme in allen Registern ein: einerseits natürlich zu seinem allseits beliebten Soul-Tremolo-Geschmetter und seinem Rauch-Bariton, andererseits auch zu nicht-gesanglicher affirmativer Kommunikation; „Yeah“. Da war einerseits das flapsige, genießerische triumphal dreckige Rauch-Bariton-Yeah, mit dem Jones seine Schlager professionell sexualisierte. Andererseits gab es das hochstimmig fragend intonierte, mild laszive „Oh Yeah“ nirgends mehr als nach dem schmierigen Randy-Newman-Klassiker „You Can Leave Your Hat On“.

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