Berlin - Oft ist ein Künstler selbst eine flamboyante Erscheinung und wird wie Beuys, Dalí oder Warhol zur eigenen Marke. Dies gilt zumindest für die ganz Großen. Wer aber weiß, wie Touko Laaksonen aussieht? Dabei hat der Finne mit seinem Alias Tom of Finland die Schwulenszene im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts geprägt wie kein anderer.

Seine Darstellung von Männlichkeit, überzeichnet bis anden Rand der Karikatur, hat sich eingebrannt ins kollektive Empfinden homosexueller Ästhetik und regiert auch heute noch durch bis in die kleinste Homobar. Laaksonens Polizisten, Cowboys, seine Soldaten, Matrosen und Biker sind prallärschige, turbopotente Prototypen männlicher Sexualität, entkoppelt von Konvention und Charakter, fokussiert auf die lustvolle Triebbefriedigung in wechselnden Kulissen. Es wird gevögelt auf Polizeiwachen, in Bars, auf Baustellen, im Wald und auf der Wiese.

Touko Laaksonen selbst, geboren 1920 in Kaarina, Finnland und 1991 in Helsinki gestorben, wirkte immer wie eine weniger perfekte Version seiner Heroen. Aus diesem Bewusstsein heraus mögen seine Figuren, seine Comics entsanden sein – hypermaskuline Herren als Masturbationsvorlage Sehnsuchtshelden in einer Szene, die – daran hat sich nichts geändert – den femininen Schwulen, die Tunte, oft verachtet und sexuell weniger anziehend findet als sein testosterongeladenes Pendant.

Die Ablehnung der eigenen Sexualität

Es ist keine Erfindung, dass dieser Beurteilung oft eine internalisierte Homophobie zugrunde liegt, die Ablehnung der eigenen Sexualität als Reflex auf die vermeintliche Ablehnung durch die heterosexuelle Norm. In Laaksons Jugend war das gängig, noch nicht 20 zog er in die finnische Hauptstadt um dort seine Neigung im Geheimen auszuleben und begann mit seine Zeichnungen von „echten Männern“, wohl eher ein sexueller Wunschtraum, denn ein Abbild real existierender Partner.

Hinter seinen „echten Männern“ blieb Laaksonen ein Phantom, als ob seine überlebensgroßen Macker, die für die Schwulen zugleich Befreiung und Gefängnis waren und Einfluss auf die Popkultur von Filmen wie „Cruising“ bis zu Bands wie Village People genommen haben, keinen Platz für ihren Erschaffer ließen.

Eine international erfolgreiche Marke mit politischer Strahlkraft

Ein gemeinsames Ausstellungsprojekt des Salon Dahlmann und der Galerie Judin will das ändern. So zeigt die Ausstellung „Loves and Lives“ im Salon Dahlmann anhand von Briefen, Fotografien und Spätwerken aus Privatbesitz, wie aus dem begabten Werbegrafiker eine international erfolgreiche Marke mit politischer Strahlkraft wurde. Die Ausstellung „Ecce Homo“ der Galerie Judin ist Laaksonens stilistischer und motivischer Entwicklung gewidmet.

Touko Laaksonen: Loves and Lives. Salon Dahlmann, 28. Januar, 18 Uhr. Finissage 6. Mai, Marburger Straße 3.

Touko Laaksonen: Ecce Homo. Galerie Judin, 28. Januar, 17 Uhr. Finissage 15. April. Potsdamer Straße 83.