Beim Film-Fest in Rom hat Regisseur Tom Tykwer am Wochenende verraten, wie es inhaltlich mit der Serie "Babylon Berlin" weitergeht: Schwerpunkt soll die Rolle von Drogen in der deutschen Geschichte sein. "Heroin in verschiedenen Formen konnte man damals sogar in der Apotheke kaufen", sagte Tykwer dem Hollywood Reporter. "Ärzte haben Rezepte dafür ausgestellt. Wir haben das recherchiert. Mitte der Dreißiger wurden Methamphetamine immer präsenter, im Nachtleben wurde mit jeder Art von Drogen experimentiert", so Tykwer.

In Rom bestätigte der italienische Direktor von Sky Atlantic, Antonio Visca, dass eine dritte Staffel in Planung ist. Außerdem wurde bekannt, dass Netflix sich die US-Rechte für die teuerste deutsche Produktion aller Zeiten gesichert hat.

Bereits in den 16 Folgen der ersten und zweiten Staffel von "Babylon Berlin", die derzeit nur bei Sky zu sehen sind und erst 2018 im Ersten laufen sollen, konsumiert die Hauptfigur, Kriminalkommissar Gereon Rath, einen Mix aus Morphium und Beruhigungsmitteln - zur Behandlung eines Kriegstraumas. Allerdings bezieht er diese per illegalem Tauschhandel, indem er einen Apotheker mit pornografischen Fotos aus der Asservatenkammer der Sitte versorgt.

"Wir werden in den kommenden Episoden tiefer in dieses Thema eintauchen", sagte Tykwer, der neu ernannte Jurypräsident der Berlinale, der bei "Babylon Berlin" gemeinsam mit Henk Handloegten und Achim von Borries Regie führte. 

Damit widmet sich die Serie einer Sache, das bis heute untrennbar mit der Stadt verbunden ist - nicht nur in den Zwanzigern war diese international als Sündenpfuhl bekannt. Schon damals galt es als schick, Rauschgift zu nehmen: "Kokain war in Mode, man bekam es in jedem zweiten Berliner Nachtlokal bei der Toilettenfrau. Kleinste gestreckte Mengen gab es in der südlichen Friedrichstraße ab 1,50 Mark", schreibt der Journalist Michael Brettin über das Nachtleben dieser Zeit.

Parallelen zum Europa von heute

Die historische Rolle des Rausches ist aber nicht das Hauptinteresse des Regisseurs: Vor allem die Fragilität von Demokratie in der Weimarer Republik und die Parallelen zur politischen Gegenwart hätten ihn für das Projekt begeistert, erklärte Tykwer in Rom.

"Europa ist gefährdet und wir wissen nicht, wie wir damit umgehen sollen. Niemand glaubt, dass es in fünf Jahren weg sein könnte, aber es hätte wohl auch vorher niemand geglaubt, dass wir so einen US-Präsidenten bekommen könnten, was mit Großbritannien passieren würde oder dass die drittgrößte Partei in Deutschland einmal Rechtspolulisten sind", so Tykwer.

"All das war vor fünf Jahren nicht vorstellbar und das ist so interessant und erschreckend an 'Babylon Berlin': Im Jahr 1929 hatte auch noch niemand eine Ahnung, wie radikal sich die Gesellschaft in nur dreieinhalb Jahre verändern würde", fuhr er fort. "Der Name Hitler wird in den ganzen 16 Episoden nur ein einziges Mal  erwähnt - als jemand einen Scherz macht. Weil keiner wirklich denkt, dass er irgendeinen Einfluss haben wird. Und genau so war es damals wirklich. "