Berlin - Es war wohl eher Zufall, dass die erste Folge des Podcasts „My PoC Bookshelf“ (Mein People of Colour-Bücherregal) mitten im Wirbel der medialen Verhandlungen um Repräsentation in der literarischen Welt erschien. Die Diskussion, ob eine schwarze oder weiße Sozialisierung für die Übersetzung von Lyrik und Prosa entscheidend ist, rüttelt derzeit jedenfalls gehörig an bestehenden Strukturen und fragt danach, wer wo sichtbar ist.

In dieser Debatte deshalb richtig platziert und offensichtlich kein Zufall ist das Ziel der Initiatorin des Podcasts, Georgina Fakunmoju. „Weil Autor:innen of Colour mehr Bravo und mehr Spotlight verdient haben“, sagte sie in der ersten Folge und stellte mit der gesprochenen Lücke klar: Sie denkt auch die Autorenschaft nicht-binärer Personen mit.

In den jeweils 30-minütigen Episoden gibt Fakunmoju, die sonst TV-Journalistin ist, Literaturtipps aus ihrem eigenen Bücherregal und spricht über die Werke mal allein, mal mit Gästen, so der Plan. Auf dem gleichnamigen Instagram-Kanal ist sie in derselben Mission unterwegs: auf Literatur aufmerksam machen, die aus ihrer Sicht im Handel, in Büchereien und Bestsellerlisten untergeht.

Vorlesen mit Hintergrund

In Folge eins erzählt Fakunmoju von ihrer Liebe zu Büchern – einer Liebe, die vor allem mit den Geschichten weißer Autoren in den Berliner Bibliotheken ihrer Kindheit begann. Doch je älter sie werde, umso dringlicher sei ihr Wunsch, beim Lesen in ihrer Identität als Woman of Colour abgeholt zu werden, sagte die 41-Jährige.

Los ging es mit einer der Pionierinnen schwarzer Literatur, der Nobelpreisträgerin Toni Morrison. Mit klarer Stimme und in sanfter Geschwindigkeit liest Fakunmoju aus Morrisons erstem Werk „Sehr blaue Augen“ vor, das 1970 zum ersten Mal erschien.

Doch sie liest nicht nur, sie führt die Hörerin auch durch die Entstehungsgeschichte des Buches. Erklärt die widrigen politischen Umstände, in denen Morrison aufwuchs, welche Rolle ihre Schulzeit in den 40er-Jahren im Bundesstaat Ohio für den Roman spielte, wie sie neben der Arbeit als Lektorin beim Verlag Random House schrieb.

Große Lust zu schmökern

Im Podcast analysiert Fakunmoju das Verhältnis von Hässlichkeit und Selbstliebe bei Morrison, erklärt internalisierten Rassismus und die Macht des weißen Blicks. Weil all das schwere Themen sind, schließt sie mit der malawischen Lyrikerin Upile Chisala. In deren Gedichten geht es vor allem „ums Aufstehen, um community und sisterhood“, sagt Fakunmoju, bevor sie aus dem Band „Soft Magic“ von 2019 liest, allerdings auf Englisch.

Überwiegend ist der Podcast aber auf Deutsch und bestimmt eine Perspektiverweiterung für alle, die sich nach mehr Diversität in der Schmökerecke sehnen. Ein bisschen Geschichte, ein bisschen Literatur. Danach bleibt große Lust zu lesen.

Erscheinen soll der Podcast alle vier Wochen. Das nächste Mal, am 7. April, hat Fakunmoju die Kinderbuch-Autorin Andrea Karimé zu Gast. Der Termin ist vorgemerkt.