Köln - Wie es nach dem Tod für Sie weitergeht, können wir Ihnen leider auch nicht sagen. Falls sie jedoch ein Facebook-Konto besitzen, besteht die reelle Chance, dass ihre Freunde – ob im tatsächlichen Sinn oder in dem der Sozialen Medien – noch lange nach Ihrem Ableben über ihren anstehenden Geburtstag informiert werden. Ob sie wollen oder nicht.

Doch selbst wenn Facebook über den Tod eines Mitgliedes informiert wird, rutscht es deshalb noch lange nicht aus dem Netzwerk. Das Konto wird lediglich in den „Gedenkzustand“ versetzt. Um es endgültig zu löschen, müssten die Angehörigen schon des Toten Passwort kennen. Das sollten umsichtige Menschen vielleicht demnächst notariell hinterlegen lassen.

Sollte sich Facebook auch zukünftig weigern, Verstorbene aus seinen Fängen zu entlassen, könnte es in naher Zukunft zum diesseitigen Ersatz fürs unsichere Jenseits werden.

Wofür noch raumfressende Friedhöfe?

Im laufenden Jahr –  behauptet „Digital Beyond“, ein Blog  zum digitalen Nachleben – werden  in den USA knapp eine Million Facebook-Nutzer in den virtuellen Zustand übergehen. Im Jahr 2098, so hat es der Statistiker Hachem Sadikki von der Universität Manchester ausgerechnet, wird die Zahl der toten Facebook-Mitglieder die der Lebenden übertreffen. Gesetzt den Fall, dass das soziale Netzwerk mit  aktuell 1,5 Milliarden Nutzern weltweit zukünftig nur noch sehr viel langsamer wachsen wird.  

Wer also frech behauptet, Facebook sei nur noch für Internet-Senioren relevant, untertreibt schamlos. Die Frage ist eher, wozu wir noch raumfressende Friedhöfe anlegen sollen? Wo wir doch längst unsere Urlaubs-Selfies und das neueste Jan-Böhmermann-Video mit den Toten teilen können. Vielleicht sieht man das im kalifornischen Menlo Park ja genauso: Erst sind wir Teil des Lebens, nun eben auch Teil  des Todes geworden.