Was macht Bob Dylan auf den Straßen von Berlin?

Im Rahmen seiner „Never Ending Tour“ kommt der Musiker und Literaturnobelpreisträger Bob Dylan für drei Konzerte nach Berlin. Und dazwischen?

Bob Dylan – Musiker, Autor, Maler
Bob Dylan – Musiker, Autor, MalerAFP

Durch wie viele Straßen muss ein Mensch gehen, um all seinen künstlerischen Eingebungen zu folgen? Schwer zu sagen. Literaturnobelpreisträger Bob Dylan hat früh damit begonnen und nie aufgehört. Irgendwann Mitte der 70er-Jahre kreuzte eine junge Frau mit langen roten Haaren und einer Violine unterm Arm seinen Weg in Manhattan. Dylan sprach sie an und fragte, ob sie das Instrument, das sie mit sich führe, gut spielen könne.

Sie zögerte kurz und bejahte, woraufhin er sie gleich zu einer Bandsession einlud. Keine Vorgaben, keine Noten, sie solle einfach nur spielen. Später stand noch ein Konzertbesuch auf dem Programm. Der Bluesmusiker Muddy Waters spielte, Dylan machte ein wenig mit und stellte Scarlet Rivera, so hieß die Violinistin, zu ihrer eigenen Verblüffung als neues Bandmitglied vor. Der Rest ist Popgeschichte, Scarlett Riveras Spiel erklingt auf Dylans Album „Desire“, eines seiner besten.

Seit über 40 Jahren auf Tournee

Die Eingebungen wechselten oft die Straßenseite. Bob Dylan spielt, singt, schreibt und malt. Seit einiger Zeit ist er auch Schmiedekünstler. Das Motiv eines Etiketts für einen Bourbon-Whiskey, den er unter dem Namen Heaven’s Door herstellen lässt, hat er selbst entworfen. Mehr als 250 seiner im Laufe der Jahre entstandenen Gemälde wurden 2019 im Modern Art Museum in Schanghai ausgestellt, sie atmen den Geist amerikanischer Mythen und senden Grüße an den Malerkollegen Edward Hopper und den Dramatiker-Freund Sam Shepard.

In dieser Woche kommt der 81-jährige Dylan nach Friedrichshain-Kreuzberg, von Mittwoch bis Freitag gibt er drei Konzerte in der Verti Music Hall im Rahmen seiner „Never Ending Tour“, für die er sein letztes Album „Rough And Rowdy Ways“ im Gepäck hat. Waren Dylans Konzerte hinsichtlich der Stücke-Auswahl früher wahre Wundertüten, so folgen sie seit einiger Zeit einem festgelegten Skript. Es beginnt mit „Watching The River Flow“ und endet mit „Every Grain Of Sand“, der Fluss des Lebens und die Sandkörner, die allein Gott gezählt haben mag. Keine Überraschungen also?

Als Berliner fragt man sich, was der umtriebige Künstler wohl an den drei Tagen zwischen den Konzerten machen mag, ehe er zu den nächsten Tour-Stationen nach Krefeld und weiter nach Paris eilt. Ins Museum gehen, Filme gucken, Kollegen treffen? Vor ein paar Jahren ist Bob Dylan von der Akademie der Künste aufgenommen worden – in der Sektion Film. Die einschlägigen Werke dazu konnte er vorweisen. Oder vielleicht spazieren gehen? Achten Sie auf einen zierlichen älteren Herrn und Hutträger.