Ist es wirklich erst eine Generation her, dass Eltern mit dem Spruch „Solange du deine Füße unter meinem Tisch hast ...“ durchkamen? Heutzutage werden schon geringste Regulierungsversuche (Kleider vom Boden aufheben, bei Filmen die Altersfreigabe beachten) von diskurserprobten Teenagern als „Adultismus“ zurückgewiesen – und man denkt interessanterweise ernsthaft darüber nach. Als das Gespräch bei uns erstmals darauf kam, sagte ich noch lässig: „Man nennt es Erziehung, mein Schatz, dass ich dir ab und zu Grenzen setze.“ Drei inquisitorische Stunden später hatte ich Stück für Stück zugeben müssen, dass Ordnung ein relativer Begriff ist, bewiesenermaßen keinen Wert darstellt, der die Welt retten wird, und dass sowieso niemand ein Recht darauf hat, anderen seine Sicht der Dinge überzuhelfen.

Ich habe dann, was soll man machen, selbst aufgeräumt, ich will ja auch nicht toxisch sein. Oder war das jetzt toxisch vom Kind, weil es mir mein Anliegen in einer Schuldzuweisung zurückgezahlt hat? Dass man anderen nicht nur mit seinem virologisch bedenklichen Atem, sondern auch als Mensch mit seinem schieren Sosein enorm schaden kann, ist im letzten Jahr allgemein ja stark ins Bewusstsein getreten. Zuvor gab es schon die „toxische Männlichkeit“, dann die ebensolche Weiblichkeit, inzwischen wird im Netz millionenfach vor „toxischen Personen“ gewarnt;  es werden Steckbriefe von Typologien geteilt und wirksame Maßnahmen, sie zu enttarnen und unschädlich zu machen.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.