Es ist ja nicht leicht, dieser Tage seine Energie beisammenzuhalten oder womöglich aufzutanken. Das Gefühl, im Homeoffice zwischen Bett, Bad und Bürosimulation in einer Zeitschleife gefangen zu sein, zehrt ebenso wie das Fehlen von allem, was wild, bunt und unvernünftig ist. Manche kompensieren das durch Meditationen, indem sie bei jedem Sonnenstrahl auf den Balkon hechten, grüne Smoothies trinken, Gewohnheiten ändern oder sonst irgendetwas tun, was die Synapsen und den Stoffwechsel in Schwung bringen könnte. Das sind die Selbstfürsorger: ehrliche Arbeiter im Weinberg des Daseins wie Sie und ich.

Aber nicht alle machen sich die Mühe, aus eigenen Ressourcen zu schöpfen. Nicht alle wissen, dass sie etwas tun müssen, um auf Normalnull zu kommen, dass sie lächeln müssen, um die Fröhlichkeit einzuladen (die Stanislawski-Methode!), dass ihre Bedürftigkeit ein Auftrag an sie selbst ist. Und diese Zeitgenossen nehmen sich, was sie brauchen, dann einfach von anderen. Je nach Mentalität lungern sie herum und heften sich ihren Opfern beiläufig an die Fersen oder nähern sich ihnen auf offener Straße mit ausgebreiteten Armen. In jedem Fall lassen sie sie, wenn sie ihrer habhaft wurden, erschöpft zurück, und diese, die Ausgesaugten, wissen gar nicht, wie ihnen geschah, grüßen schwach und schleppen sich nach Hause, wo ihr energetisches Kärrnerwerk im tiefen Minusbereich erneut beginnt.

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