Die Zukunft wird düster. Großkonzerne übernehmen das Ruder, die Politik ist entmachtet, Demokratie hat ausgedient, es regieren Überwachung, Leistungsdruck, Konsum. Ob Blade Runner oder Brazil, das SWR-Experiment Alpha 0.7 oder die ZDF-Prognose 2030 – wann immer Film und Fernsehen Zukunft verarbeiten, gerät sie zur Dystopie.

Da ist es erleichternd, wenn fiktional auch mal Blumen am See wachsen, in dem es sich schwimmen lässt. Wenn nicht alles Uniform trägt und niemand Gedankenpolizei spielt. Die Zukunft im ZDF-Film Transfer mag stilistisch arg glasstählern kühl sein – „Der Traum vom ewigen Leben“, so lautet der Untertitel von Damir Lukačevićs Kurzgeschichtenverfilmung gerät nicht zum Albtraum. Nicht grundsätzlich.

Denn natürlich handelt auch diese SciFi-Variante vom Mangel des morgen Möglichen.

Ein greises Ehepaar verlängert mit Hilfe einer dubiosen Firma sein Leben, indem es sich in zwei junge Körper schwarzer Armutsflüchtlinge transferieren lässt, die mit dem Verlust des eigenen Ichs ihre Familien daheim in Afrika unterstützen. Dass beide nachts für vier Stunden wieder sie selbst sein dürfen, führt natürlich zu Komplikationen. Und dennoch bleibt bei diesem Melodram das Fazit: die Zukunft wird nicht durchweg schlecht.

Und das unterscheidet es vom Genre filmischer Prophezeiung insgesamt. Schließlich liefert bereits die Gegenwart alle Bestandteile einer düsteren Zukunft. Schon jetzt stehen Bildung, Wirtschaft, Sicherheit, Wohlstand, Rente und Freiheit, die vor allem, auf der Kippe. Dennoch bleibt jede Hypothese bei aller wissenschaftlichen Berechenbarkeit letztlich Kaffeesatzleserei. Egal – der Konjunktiv als „Möglichkeitsform“ hat Konjunktur.

Denn möglich erscheint vieles, was fiktive Wissenschaft an Form und Inhalt prognostiziert. Aber ist es auch wahrscheinlich? Die ZDF-Reihe Agenda 2020 ließ Organe auf Flohmärkten verhökern und Kinder im Labor züchten. In der Arte-Serie Real Humans stehen menschengleiche Haushaltsroboter so kurz bevor wie ein faschistisches Regime im Sat1-Zweiteiler Die Grenze.

Spielereien an der Ästhetik, an Design, Autos, Frisuren und Architektur machen visionäres Fernsehen oft zum Prognose-Pop. Zwischen Holografie und Robotik leuchtet, blinkt und piept es wie im Computerspiel Die Sims, während überall dort, wo Zivilisation scheitert, apokalyptische Konsolenwelten à la Resident Evil regieren. Das allerdings, was wirklich permanent Umbrüchen unterworfen ist, bleibt in der Science Fiction seltsam konstant: Sprache und Habitus.

Andererseits ist es durchaus seriös, soziale Interaktion nicht auf Krampf zu modernisieren. Und vom Stammzellendrama Monte Sana übers Klimakatastrophengemälde 2075 bis hin zum fortschrittshörigen Dokudrama 2057, dem die Deutsche Forschungsgesellschaft 2007 attestierte, „so könnte es aussehen“, zeigt sich, dass gerade öffentlich-rechtliches Fernsehen oft am Machbaren messbar ist. Das belegt auch Transfer, wo zwar etwas viel klinisches Weiß von futuristischer Kälte zeugen soll, alles andere aber weitestgehend authentisch konstruiert wird. In diesem Hang zu realistischen Szenarien unterscheidet sich das TV-SciFi sodenn auch grundlegend von den vielleicht aufregenderen Kinoblockbustern.

Transfer: heute, 19. 8., 0.25 Uhr, im ZDF

Trailer zum Film hier entlang