Eine Frau sitzt nachts auf der Couch und schaut in ein Smartphone.
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BerlinEs gibt Verluste im Leben, die scheinen so unaushaltbar zu sein, dass man glaubt, nicht weiterleben zu können. Und doch lebt man weiter. Das heißt noch lange nicht, dass man mit seinem Schicksal Frieden schließen kann.

Manchem Trauernden hilft es, seine Geschichte zu erzählen. Oder von einer Geschichte zu erfahren, die so ähnlich ist wie die eigene, die doch eigentlich unvorstellbar ist. Man solle reden, sich öffnen, den Kontakt zu Schicksalsgenossen suchen, Wände aus falscher Rücksicht durchbrechen, seine Erfahrung teilen.

Dieses Teilen ist ein zentraler Begriff in der Welt der sozialen Medien. Sie ersetzen die leiblichen menschlichen Kontakte nicht, aber man kann Gedanken tauschen, aneinander denken, sich grüßen. Prinzipiell ist daran nichts anders als im richtigen Leben. Wer nicht mit diesen virtuellen Räumen aufgewachsen ist, so wie der hier Schreibende, bleibt wohl skeptisch, kontaktscheu, schratig und utopieunfähig. Aber auch solche Leute laufen in der Wirklichkeit auch rum.

Soziale Medien können viel leisten im Trauerfall. Auch praktisch, wenn man sich bei seinen Followern zum Beispiel nach einem passenden Bestatter erkundigt. Und man kann seine Seele öffnen, seine Geschichte erzählen, stückweise, immer wieder, Zuhörer und Beiträger finden. Manche machen das. Setzen Lebenszeichen, Erinnerungsposts, sammeln Mitgefühl ein. Aber sie machen sich natürlich auch verletzlich. Und zur leichten Beute.

Denn solche Geschichten wecken Interesse. Und Interesse kann lukrativ sein. Es gibt Account-Betreiber, deren Algorithmen derartige Posts aufspüren, kopieren und verbreiten, um die eigene Anhängerschaft zu füttern und zu vergrößern. Fremde kommentieren dann ein individuelles Schicksal. Viele schicken Tränen-Emojis, manche machen sich lustig und nicht wenige fragen dann, wie man so etwas Persönliches in sozialen Medien teilen kann. Vielleicht weil diese erst dann ihren Namen verdienen?