Neil Primrose, Andy Dunlop, Fran Healy und Dougie Payne (v. l.) sind Travis.
Foto: Ryan Johnston

Es ist 21 Jahre her, dass Fran Healy mit seiner hohen, leicht kratzigen Stimme dieses eine Lied mit dem Satz „Why Does It Always Rain on Me?“ sang. Warum regnet es immer auf mich? Sogar wenn die Sonne scheint? Ist es, weil ich im Alter von 17 gelogen habe?

Diese Fragen haben sich bis heute in den Köpfen von Brit-Pop-Fans fest eingebrannt. Mit dem Song gelang Healy und seiner Band Travis 1999 schließlich auch der erste große Charterfolg. Für einen Moment schien es, als wäre es den Musikern aus Glasgow (die auch mal in Berlin lebten) wirklich geglückt, in die Fußstapfen von Oasis zu treten, jener Band, deren Tour sie zu Beginn ihrer Karriere begleiten durften. Und tatsächlich schafften es die folgenden Singles „Coming Around“ und „Sing“ ebenfalls weit nach oben in die Charts, in zahlreiche Musikshows – und gefühlt in jede britische Romantic-Comedy.

Doch mit den Jahren ging es der Welt mit der vierköpfigen Band wie Kindern mit Kakao. Hat man ihn erst einmal versucht und sich an den süßlich warmen Geschmack gewöhnt, ist er zwar immer noch gut, aber lang nicht mehr so besonders wie beim ersten Mal. Folglich erhielten die weiteren Songs weniger Beachtung, selbst wenn die Alben in den Charts gelistet wurden. Ein „Why Does It Always Rain on Me?“ war nicht mehr dabei. 

Das mag auch ein Grund dafür sein, warum sogar die britische Tageszeitung The Guardian das neue und zehnte Studioalbum „10 Songs“ von Travis nur noch am Rande erwähnt. Zwar gibt es einen großen Artikel anlässlich des zehnten Albums, aber darin geht es hauptsächlich um die Entstehung von „Why Does It Always Rain on Me?“. Den Titel wird die Band nicht mehr los. Doch gibt es wirklich keine markanten neuen Songs auf dem aktuellen Album? 

Das rockige Stück „Valentine“, das etwas nach den Bands Muse und Pearl Jam klingt, hat durchaus einen tanzbaren,  hinreißenden Sound. „Wenn ich hier lüge, könnte ich sterben“, singt Healy im Refrain und versucht damit, einen erneut einzigartigen Satz für seine Rockgeschichte zu schaffen. Es gelingt ihm jedoch nur mäßig, zu gewollt die Zeilen, zu rockig der Sound. In den anderen neun Stücken ist es mit den Liedern wie auf den zurückliegenden Alben: An Gitarren und Klavier zippt und klimpert es freundlich, die Melodien sind so eingängig, dass sie schnell zu einem Hintergrundrauschen werden, und Healy singt von Tagträumen, Schmetterlingen und der Liebe. In der seichten Ballade „The Only Thing“ begleitet ihn dann die Bangles-Sängerin Susanne Hoffs, die mit einem „La la la la la“ das Schlaflied für alle trüben Herbsttage anstimmt. Das ist mit einer Tasse Kakao unter einen warmen Decke nicht schlecht, aber ... Sie wissen schon. „Why Does It Always Rain on Me?“ könnte man stattdessen mal wieder abspielen.

Travis – „10 Songs“ (BMG)