Eichenprozessionsspinner sind am Stamm einer Eiche zu sehen. Bäume sind durch die Trockenheit besonders anfällig gegen Schädlinge. 
Foto: Friso Gentsch/dpa

BerlinVom Kultursterben war zuletzt häufig die Rede und fast immer ging es um dieses Virus, das man kaum noch beim Namen nennen mag. Es hält uns vom Ausgehen ab, und selbst ins Kino wagen wir uns nur unter Vorbehalt, obwohl selbst die Kulturstaatsministerin doch dazu aufgefordert hat, dringend wieder Tickets zu lösen. Einen Corona-Muffel wie mich hat es häufig in die nahen Parks und Schlossgärten gezogen, an denen es in Berlin, Brandenburg und Umgebung nicht mangelt. Ein Loblied also auf den Poetensteig in Rheinsberg, wo die Abstandsregeln trotz des spürbar anwachsenden heimischen Tourismus‘ kein Problem darstellen.

Was man indes nicht gleich sieht, geht nun aus einem Brandbrief hervor, den der Verein Schlösser und Gärten Deutschland e. V. und  die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur verschickt haben. Es sieht nicht gut aus in den historischen Gärten. „Dürre Äste und schütter belaubte Baumkronen unterbrachen immer deutlicher das ansonsten üppige Grün“, heißt es in dem Bericht. „Betroffen waren vor allem die Landschaftsgärten mit ihrem alten Baumbestand. (…) Die Schäden betreffen Gärten in ganz Deutschland.“

Die anhaltende Dürre ist Corona für die Natur. Um das zu verdeutlichen, hat etwa der Schlossgarten Schwetzingen in Baden-Württemberg Daten der letzten acht Jahrzehnte analysiert. „Von 1965 bis 2002 waren nur 15 Prozent der Jahre trockener als der langjährige Durchschnitt; gegenwärtig sind es 40 Prozent. Der April 2020, der Monat, in dem für die Buchen und Eichen die Vegetationsperiode beginnt, war außergewöhnlich trocken. Lediglich 1,8 Liter Regen fielen pro Quadratmeter. Der Durchschnittswert im April aber wären 46 Liter, mehr als das 25-fache der diesjährigen Regenmenge.“

Im Detail berichtet der Verein u.a. über die Situation im Schlosspark Benrath bei Düsseldorf, die ausgetrockneten Zisternen in den Herrenhäuser Gärten in Hannover und den Park Branitz in Brandenburg. Als Notmaßnahme wurden dort trockene Gräben geflutet, um so geschwächte Bäume zu erreichen. Das aber hilft nur bedingt gegen Schädlingsbefall. In Branitz mussten in diesem Jahr bereits zahlreiche Buchen durch die Komplexerkrankung und dutzende Kiefern durch den Bockkäferbefall gefällt werden. Eichen sind vom Prozessionsspinner und vom Prachtkäfer betroffen.

Die Schönheit der Kultur, die zunächst ja vor allem „agricultura“ war, wird nun von Kleinstorganismen bedroht, die noch nie gewillt waren, Abstandsgebote anzuerkennen.