BerlinPolitische Widerborstigkeit ist keine amerikanische Spezialität. Die Episode, in der der einstige Bundeskanzler Gerhard Schröder wenig geneigt schien, seine Wahlniederlage anzuerkennen, gehört inzwischen zur politischen Sittenlehre der Deutschen. Sie glaube doch nicht ernsthaft, raunte Schröder 2005 in der sogenannten Elefantenrunde der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel zu, hier Bundeskanzlerin werden zu können. „Man muss die Kirche doch auch mal im Dorf lassen.“

Schröder befreite sich später aus der misslichen Lage seines weithin als Entgleisung wahrgenommenen Auftritts, indem er seine damalige Frau zitierte. Auch sie habe seine Äußerungen als suboptimal empfunden. Der Versuch, die Nichtakzeptanz des demokratischen Wahlergebnisses als eine Art emotionalen Überschuss zu erklären, erwies sich so gesehen als nachträgliche Bitte, wieder in den Kreis der politisch Anständigen aufgenommen zu werden. Offenbar hatte Schröder bemerkt, gegen den Common Sense verstoßen zu haben.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.