Im Jahr 1991 wurde der einstige Sowjetstaat Turkmenistan unabhängig, aber manche Kontinuität gibt es eben doch. So haben sich seit jeher russische und sowjetische Herrscher und Präsidenten einen Hund als Haustier gehalten. Zar Nikolaus I. etwa hatte einen Pudel namens Hussar, Stalin den Spaniel Milka, ein Geschenk der niederländischen Königin. Wenige bevorzugten Katzen, nur Nikita Chrutschow scherte so richtig aus. Er hielt sich einen Bären bei seiner Datscha.

Der turkmenische Präsident Gurbanguli Berdymukhamedow gilt allgemein als Autokrat, man muss ihn aber auch als Tiernarr bezeichnen. Seine besondere Liebe gilt dem Alabai, dem starken und wachsamen Zentralasiatischen Hirtenhund. Der ehemalige Zahnarzt, der 2007 ins Amt kam, hat ein Buch über diese Hunderasse veröffentlicht, und er hat ein dieser Zeitung leider nicht vorliegendes Gedicht über den Alabai geschrieben. Nach eigenen Angaben während einer Kabinettssitzung, wobei man sich fragt, ob diese so langweilig oder so inspirierend gewesen ist.

Während der Zeremonie für die Statue tanzten Frauen und Chöre sangen

Im Mai dieses Jahres wurde der Turkmenische Alabai-Verband gegründet, an dessen Gründungsversammlung hochrangige Politiker teilnahmen. Dass der Sohn des Präsidenten Serdar Berdymukhamedow zum Verbandsvorstand gewählt worden ist, kann wohl als untrügliches Zeichen dafür gelten, dass er zu dessen Nachfolger auserkoren ist.

Die Liebe des Präsidenten zu dem als Nationalhund erkorenen Alabai fand aber erst diese Woche ihren krönenden Höhepunkt. Auf einem Verkehrskreisel in der turkmenischen Hauptstadt Aschgabat enthüllte der Landesherrscher eine fast sechs Meter hohe goldene Statue des Hundes. Während der Zeremonie tanzten Frauen, sangen Chöre, schwenkten die – man muss es wohl so sagen – Untertanen turkmenische Flaggen. Das örtliche Kulturministerium soll bereits daran arbeiten, die Unesco dazu zu bringen, den Alabai als immaterielles Kulturerbe anzuerkennen. Aus dem Land ausgeführt werden dürfen diese Hunde übrigens nicht. Nur Putin wurde mal einer als Geschenk überreicht.

Nichts gegen goldene Statuen für Hunde. Dieses – und alle anderen Tiere auch - verdienen jede Ehrerbietung. Nur wüsste man gern, was das in Armut lebende turkmenische Volk dazu sagt. Wir werden es nie erfahren. Der Staat bildet das Schlusslicht auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen.