Die Istanbuler Staatsanwaltschaft will gegen den Schriftsteller Emrah Serbes Anklage erheben und fordert bis zu zwölf Jahre Haft wegen Beleidigung des Ministerpräsidenten. In einer TV-Talkshow hatte Serbes den Namen des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan als „Recep Tazyik Erdogan“ verballhornt.

„Tazyik“ bedeutet übersetzt „Druck“ und spielt auf das „Druckwasser“ (die Wasserwerfer) an, mit denen die Polizei während der Proteste zum 1. Mai 2013 gegen Demonstranten vorging. Angeblich sei eine anonyme Beschwerde gegen ihn bei der Staatsanwaltschaft eingegangen.

Der Berliner Verlag Binooki, der Emrah Serbes Krimis um den Ermittler „Behzat Ç“ auf Deutsch herausbringt, verurteilt die Anklage als offenen Angriff auf die Meinungsfreiheit und erklärt in einer Pressemitteilung, dass er voll hinter seinem Autor stehe und die Versuche, mittels staatlicher Gewalt und juristischer Willkür kritische Stimmen mundtot zu machen, ablehne. Türkische Leser von Serbes verbreiten bei Twitter und Facebook inzwischen den Hashtag #emrahserbesyalnızdeğildir (Emrah Serbes ist nicht alleine). (BLZ)